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Dienstag, 23. November 2010

Der Busfahrersitz



Der Busfahrersitz


Erste Reihe, linke Seite,
Sitze hinterm Busfahrer.
Dessen Sitz wippt unaufhörlich
Auf und ab, und ab und auf-
Lustig sieht die Bewegung aus, denn
Wenn der Sitz des Fahrers pendelt,
Höh' betreffend, horizontal,
Dann denke ich an früher.

Ja, ich war auch ganz gern draußen
Auf den Spielplätzen der Gegend
Meines Wohnortes Umgebung:
Rutschen, Wippen, Karussell.
Pferdatrappen gab es dort auch:
Sitz und Gesicht hölzern gebaut,
Unten die Eisenspirale
Elastisch, für vor <-> zurück.

Losgelöst von meiner Kindheit
War ich nie, nein, ich war's nie,
Weil lauter Erinnerungen
Wiederkehren und mich auch
Irritieren in dem Glauben,
Ich, der sei nun erwachsen,
Dreiundzwanzig erst, geworden.
Wer bin ich, wer will ich sein?

Klar ist, dass ich im Bus sitze.
An dem Sitz des Fahrers ist
Integriert ein Mikrofon, wie
Teil eines PC-Headsets.
Sitz und Mikro wippen nun nicht,
Bus hält an einer Kreuzung.
Rote Ampel! Wechselt die nie?
Nach der Werbung geht es weiter...mit meinem Leben...

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[ (c) 2010 by SR / Sray ]
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Donnerstag, 4. November 2010

Nachtrag: Das Wochenende mit Karo in Wertheim




Kurz nach dem Auszug aus der WÜ-Altstadt-WG traf ich mich nach langer Zeit wieder mit Karo aka Wolta, was eine willkommene Ausflucht aus der Kreuzwertheim-/Wertheim-Ödnis war. 2. Oktober und 3. Oktober 2010.

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Nochmal zur Klärung der nicht einfach auseinanderzuhaltenden Provinzscheiße: Das Großkaff Kreuzwertheim (ca. 4000 EinwohnerInnen) ist der Ort, in dem ich einst 20 Jahre lang bei meinen Eltern wohnte und nun aus weniger freiwilligen Gründen wieder wohne. Dort ging ich auch vier Jahre lang zur Grundschule.
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Die Kleinstadt Wertheim (über 25000 EinwohnerInnen) hingegen ist mein Geburtsort und der Ort, in dem ich von der 5. Klasse bis zur 13. Klasse aufs Gymnasium (ein humanistisches, naturwissenschaftliches, alt- und neusprachliches) ging. Und Wertheim ist nicht gleich Wertheim Village, denn das „bei uns“ auch FOC (Factory Outlet Center) genannte künstliche Psuedo-Schnäppchen-Dörfchen für Mittel-/Oberschicht-Portemonnaie-Besitzer ist ca. 10km vom eigentlichen Stadtkern entfernt. Es kommt sehr häufig vor, dass wenn ich preisgeben soll, woher ich komme, den unwissenden Menschen beim Stichwort Wertheim sofort Wertheim Village einfällt: „Ah, Wertheim Village!“ Nicht ganz, ihr Leute, muss ich da immer weiter ausführen.
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In Wertheim fand heuer seit dem 1. Oktober 2010 wie an jedem ersten Oktoberwochenende die sogenannte Michaelismesse statt: die Hauptattraktion der Provinz in Sachen Volksfest, vergleichbar mit der Würzburger Kilianimesse oder der Marktheidenfelder Laurenzimesse. Als Jugendlicher war es DER Kick, sich dort zu besaufen und Spaß zu haben. Als Kind war natürlich nur letzteres der Fall, gerade durch die vielen Stände, Spaßbuden und Attraktionen wie Riesenrad, Karussell oder Krake. Den Autoscooter-Bereich fand ich hingegen lange Zeit blöd. Als Fast-Erwachsener – „not a boy, not yet a man“ – hat diese Kirmes jedoch fast jeglichen Reiz verloren.
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Nun war es so, dass Karo dieses Jahr beim sogenannten Messelauf mitmachen wollte. Bei diesem nahm ich auch einst 2006 mit ihr teil. Ich kann mich gut noch an den prasselndem Regen und meinen dadurch zerstörten Haarwachs-Seitenscheitel erinnern. Dadurch tropfte die Wachs-Wassermischung tränenartig herunter und kam gar in meine Augen, wodurch ich am restlichen Tag nur noch glasig gucken konnte, haha! Barock- oder Rokoko-Kleider als Frau oder Knickerbocker und/oder Wrack als Mann sollten da vorgeführt werden. Es gibt eine bestimmte Route, die durch den Messeplatz und die Wertheimer Altstadt führt und als Mann-Weib-Gespann (je zwei Menschen hintereinander) sollte man mehrere Stunden die Strecke durchschreiten. Weil ich dieses Jahr wegen des WG-Auszugs keine Zeit hatte, konnte ich nicht teilnehmen, Karo hingegen erklärte sich bereit. Denn der Initiator des Messelaufs war unser ehemaliger Deutsch- und Geschichte-Lehrer, der gleichzeitig jahrelang die Theater-AG leitete und ihr großen Ruhm und Ansehen brachte. Durch den großen Theaterfundus voller Kostüme und Accessoires kam auch die Idee mit dem Messelauf.

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Ich konnte aus Zeitgründen den Lauf nicht mitverfolgen, konnte mich aber am frühen Abend mit Karo auf der Messe verabreden. Wir haben uns riesig gefreut, uns nach langer Zeit wiederzusehen. Karo war jedoch ein klein wenig mitgenommen von der Belastung durch den Messelauf. Sie wollte sich irgendwo mal für länger hinsetzen. Deshalb beschlossen wir, wenig später den Messelauf-Initiator zu besuchen, der sehr nah am Messe-Spektakel wohnt.
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Dieser überaus gastfreundliche, selbstbewusste und eloquente Mann mit Wohlstandsbauch, der sich auch jahrelang für die Kommunalpolitik eingesetzt hatte, empfing uns und lud uns sogleich gar zum Abendessen ein. Nach einem Plaudern gab es überaus köstlich gebratene Champignons, Tomaten und Zwiebeln. Dazu getoastete Brotscheiben und Bier. Wir waren ob der Einfachheit und gleichzeitigen Köstlichkeit begeistert! Dazu gab es Anekdoten vom Gastgeber, sowie ein paar Themen, bei denen ich nicht wirklich mitreden konnte, weil es da um mir unbekannte Personen ging, die Karo jedoch kannte.
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Nach der Tagesschau verließen wir das Haus, in dem Karo das Wochenende über übernachten durfte, weil sie ja mitlief und ihre Eltern beide längst aus Wertheim weggezogen waren. Wir suchten dann auf der Messe Babs. Babs hat mit Karo und mir Abi gemacht. Babs' Eltern wohnen auch in Kreuzwertheim und als wir 15 und 16 waren, haben wir mit noch anderen viel gemeinsam unternommen, u.a. Zelten am Ammersee. Babs konnte mit jedem, kann/konnte genauso gut mit den LAN-Party-Nerds wie mit den Alternativen und Punks oder den beliebten Mädels (≠ Tussis unserer Klassenstufe). Und auch mit eher außen gestandenen Freaks wie mit Karo und mit mir, die wir damals zum Teil schon waren. Babs war immer so eine, die von allen gemocht wurde, weil sie immer vertrauensvoll und integer war, egal, mit wem sie es zu tun hatte. Als wir sie fanden, suchten wir nach dem Weinzelt, dass in den letzten Jahren immer eine angenehme Alternative zum überladenen stumpfen Bierzelt darstellte. Wir liefen herum und suchten und suchten, doch am ehemaligen Standort war nichts davon zu finden.
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Anscheinend existierte das kleine Weinzelt nicht mehr, es wurde wohl in das Bierzelt (eher: Bierhalle, für Wertheimer: Main-Tauber-Halle) integriert. Also gingen wir dort rein. Was zu erwarten war: voll, kaum freie Bänke, schreckliche Volks-Blasmusik, ein Gewusel, laut. Wenn man seine eigenen Erwartungen an sowas so niedrig wie möglich herunterschrauben kann, wenn man von Haus aus Dorftrottel, Antenne-Bayern-HörerIn, jugendlicher Macho oder Trash-Girl ist, oder einfach schon vollgetankt, kann dort im Zelt sicherlich Spaß haben. Leute wie Karo, Babs und ich jedoch...eher nicht, auch wenn wir alle keine überheblichen Menschen sind. Nach einem Federweißer für jeden verließen wir auch schon wieder die sonderbare rustikale Szenerie.

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Zuflucht suchten wir dann zunächst am Gebratene-Mandeln-Stand, später im Bistro Ionis, die sich gerne In-Bar schimpft und nicht allzu spelunkig, aber auch nicht allzu versnobt herüberkommt. Karo, Oli/Horschdä und ich waren zu Schulzeiten oft hier, bei Babs war es wohl auch nicht anders.
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Dort fanden wir auch zum Glück angenehmere Plätze als noch im vollen Bierzelt. Einzig die House-Musik war sehr penetrant laut und die halbstarken Kids darin, die natürlich nur bis 12 dort bleiben durften, waren auch erschreckend in der Überzahl im Ionis. Weil ich sonst selten Gelegenheiten (wegen Geld, Begleitpersonen, etc.) habe, irgendwelche Sachen in Bars zu bestellen, nahm ich erst einen Whisky, den 12 Jahre alten Chivas Regal (erstaunlich untrüb) und dann einen Melon Sour, der atemberaubend gut schmeckt. Babs bestellte sich u.a. einmal einen Cosmopolitan, Karo Bier und einen Martini d'Oro. Betrunkenheitsskala: 3 von 10.

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Der Sonntag mit Karo am Tag der Deutschen Einheit und ohne Alkohol diesmal war noch schöner, weil ich nach all dem Umzugsstress den Tag frei hatte und ihr diesen voll und ganz widmen konnte. Außerdem war es frühsommerlich warm und dadurch eine geile Zeit. Ich beschränke mich beim Sonntag in meiner Ausführung mal auf das Wesentliche, weil der Tag entspannter. Wir waren zunächst so gegen Mittag im Da Barista, dem besten Café Wertheims, wo wir Kaffee tranken. Anschließend schlenderten wir durch die Stadt. Karo sah Wertheim durch die Rückkehr nach drei Jahren mit ganz anderen Augen. Vom ungeliebten Wertheim zur faszinierenden Stadt mit jüdischer Tradition, wodurch sie manchen Stationen fast wie eine Touristin begegnete. Am Nachmittag aßen wir dann zu Mittag. Wir aßen Pommes rot/weiß, den Klassiker, den es in einer Dönerbude im Angebot gab. Wir machten dann noch einen kurzen Abstecher in die Michaelismesse, aber dort blieben wir nicht lange. Wir saßen mal auf einer Bank am Tauber-Ufer oder mal vor einem Brunnen und unterhielten uns über alles Mögliche, z.B. über die zu der Zeit noch frische Trennung von Su. Am frühen Abend brachte ich sie dann zum Bahnhof und versprach ihr, sie in der kommenden Woche mal in Frankfurt zu besuchen...
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Mittwoch, 3. November 2010

Nachtrag: Drei Wochen Schichtarbeit



Drei Wochen Ferienjob innerhalb der Sommersemesterferien klingt erst einmal nicht viel, und im Vergleich zu den temporären Jobs meiner KommilitonInnen und zu dauerhaften Berufen mancher meiner Freunde mag das vielleicht auch wie ein Kinderspiel anmuten. Aber...

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Ich arbeitete in der Firma, in der mein Vater seit über 20 Jahren schafft, zwischen dem 6. und dem 23. September 2010 als Aushilfsarbeiter. Dies ist aber nicht das erste, sondern das dritte Mal, dass ich das dort tat. Doch das mit der „Schicht“ ist erst das zweite Mal in meiner Nebenjobkarriere so vorgekommen. Dennoch fiel mir der Einstieg in die Arbeitszyklen und in die Materien nicht sonderlich schwer, da ich dies ja schon mal gemacht hatte.
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Kurz gesagt, sollte ich je nach Schicht zwischen zwei und im produktionstechnischen Idealfall vier Maschinen bedienen. Diese Roboter-Maschinen sollten Glasröhren akkurat zersägen. Die kürzeren Röhrchen wurden dann durch Brenner geschmolzen und ausgehöhlt. Mein Job, und quasi auch jener meines direkten Schichtkollegen und gleichzeitigen Aufpassers war es, die anfangs sehr langen Röhren (je nach Bedarf und Maschine unterschiedlich groß vom Durchmesser und dick- oder dünnwandig) einzulegen und das Zwischenprodukt, die fertig verarbeiteten Röhrchen, nach Einwandfreiheit zu überprüfen. Wenn sie gut waren, waren sie für die Weiterverarbeitung geeignet und wurden von mir in einen metallenen rostigen Korb gelegt.

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In den drei Wochen, also in 120 Stunden, war ich Schichtarbeiter und musste die Nachtschicht übernehmen. Es hieß also 5x8 Stunden Arbeit von 14 Uhr bis 22 Uhr. Nachtschicht bedeutet auch, dass man nur in den ersten zweiten Stunden die anderen KollegInnen der Firma zu Gesicht bekommen kann, ab 16 Uhr (Feierabend für ca. 95% der restlichen ArbeiterInnen) ist man fast nur noch zu dritt in der Fabrik (abgesehen von Putzhilfe, Inspektion durch Seniorchef oder Juniorchef).
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Ab der zweiten der drei Wochen beschlossen meine Nachtschicht-Kollegen und ich sogar, nicht acht, sondern 10 Stunden täglich werktags zu arbeiten, damit 4x10 Stunden zusammenkommen und der eklige Freitagjob demnach wegfällt. Der eine Freitag in der ersten Woche bis 10 Uhr abends war der härteste Arbeitstag überhaupt, weil das Fabrikgebäude bereits zum Schichtbeginn um 2 Uhr (der Freitag-Feierabend der regulären ArbeiterInnen beginnt bereits um 12 Uhr mittags) fast leer ist. Der „Freitag“ fiel dann zwar weg und ich konnte dann an dem Tag wieder nach Würzburg zur WG fahren, das Manko aber war halt dann, dass ich in Woche Nr. 2 und 3 dann gar bis um 0 Uhr nachts schuften musste. Schon hart. Das war aber im Vergleich zum abendlichen Arbeiten an einem Freitag jedoch das kleinere Übel. Trotz Einschlafprobleme um 2 Uhr nachts.

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Wie bereits erwähnt, arbeitet mein Vater seit einer halben Ewigkeit in diesem Betrieb. Er war es natürlich auch, der mich dazu überredete, dort zu arbeiten, indirekt war es aber auch die Firma, die halt Nachschub in Sachen Ferienjobbber brauchte. Weil mein Vater innerhalb des Betriebes trotz seines einfaches Jobs als Arbeiter hier wohl wegen seiner hilfsbereiten und offenen Art geschätzt wird, hatte ich eine Art Sohnemann-Bonus. Nicht im Sinne der Leistung, sondern im charakterlichen Sinne. So was wie: „Ach, das ist der Sohn von dem, dann muss der bestimmt auch in Ordnung sein“. Beziehungsweise dachte ich, dass ich so einen Bonus hätte und dass mir das weiterhelfen würde, was den Umgang mit mir seitens den anderen KollegInnen anging. Bestärkt auch dadurch, dass ich in der Firma als Ferienarbeiter bereits fast alle möglichen einfach zu bedienenden Maschinen betätigt habe, oft hier schon gearbeitet hatte. Doch ich hatte mich getäuscht und es waren nicht alle nett zu mir.
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Doch wenn Ihr jetzt denkt, dass ich meine Vorgesetzten und eben auch die meines Vaters nun in die Pfanne hauen würde, der irrt. Denn sowohl der spritzige Juniorchef als auch der nicht immer als handzahm und umgänglich geltende Seniorchef waren immer zuvorkommend, ebenso der Verantwortliche für die Produktion, und auch der Verantwortliche für Personal und Buchhaltung. Das war aber auch bei meinen zwei vorigen Ferienjobeinsätzen im Jahre 2006 und 2008 der Fall.
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Nein, es waren eher manche KollegInnen, mit denen man des Betätigungsfeldes wegen innerhalb der Firma eher wenig zu tun hat, die misstrauisch, kühl oder fast schon grantig wirkten, obwohl ich ihnen nichts getan hatte. Das merkt man halt oft, wenn man sich im Vorbeigehen grüßt. Dieses Grüßen ist ja gerade in solchen Mittelstands-Betrieben Gang und Gebe, fast schon ein Zwang. Früher musste ich, weil ich auch schon mal um 6.30 Uhr (wie mein Vater sonst immer) anfangen musste, auch tausende Male „Morgen“ oder „Mahlzeit“ von mir geben. Die Mehrheit der KollegInnen war zwar in Sachen Grußfeuerwerke – wohl doch wegen des Bekanntheitsgrades und der Verwandtschaft mit meinem Vater – mir wohlgesinnt, ein paar spezielle Personen reagierten jedoch leider entweder abweisend oder gar nicht auf mein „Hallo“. Aber vielleicht bildete ich mir auch nur ein, dass die Leute irgendwie ein Problem mit mir hätten. Vielleicht lag dieses komische Verhalten ihrerseits nur darin, dass es einfach ihr Charakter ist. Oder sie waren einfach von ihrer Arbeit gestresst, schließlich hatten die allermeisten während meines jeweiligen Antreffens bereits 8 Stunden gearbeitet.
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Da gab es zum Beispiel einen Typen, der für die sogenannte Werkstatt zuständig war und anscheinend dort eine hohe Position genießt, wahrscheinlich sogar vom Rang her dem Produktionschef ähnlich ist. Doch im Vergleich zu dem oder anderen hohen Tieren verhielt dieser sich gar nicht bodenständig oder sympathisch-kompetent. Im Gegenteil. Wenn man ihn so während seiner Arbeit, also irgendwann zwischen 14 und 16 Uhr vorbeigehen sieht, kann man seine Nase förmlich die Kumuluswolken berühren sehen. Mit anderen Worten: er war erstaunlich arrogant und unsympathisch. Doch gerade dieses Bad-Boy-Image faszinierte mich seltsamerweise. Der Snob war ja nicht sonderlich hässlich, zwar kantig im Gesicht, aber ein klein wenig mehr als nur durchschnittlich schön. Ca. 35 Jahre alt, eher groß, dunkelbraun-haarig und besaß schöne grüne Augen, bei diesem Ferienjobeinsatz diesmal eingerahmt in eine neumodische Brille. Ansonsten wie jeder andere auch das Firmen-Poloshirt in dunklem Blau mit Firmen-Logo, dunkle Jeans, typische solide Werkstattschuhe. Irgendwie hatte ich halt immer die Hoffnung gehabt, dass er mir mal einfach so „Hallo“ sagt und ich ihm genauso wieder antworte und dann im Inneren eine Art Genugtuung empfand. Doch zu solch einer Situation kam es nie.
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Ganz anders der Juniorchef, der auch der Vorgesetzte des Werkstatt-Snobs sein dürfte, und der ebenfalls so um die 35 Jahre alt sein dürfte (schätzungsweise), aber von seiner Persönlichkeit und seinem Auftreten her wie unverbrauchte 25 Jahre wirkt. Man würde sich das ja nur ungern zu sagen trauen, aber für einen Chef sieht er unfassbar knuffig aus. Er ist von der Körpergröße her halt so ähnlich klein wie ich, nicht schlank, aber auch nicht pummelig. Seine braunen Knopfaugen zu seinem rundlichen Gesicht lassen seine leichten Geheimratsecken schnell vergessen. Und dass er meist eine schwarze Anzughose und ein weißes Hemd trägt, also recht formell wirkt, mehr als dessen Vater, der Seniorchef, lassen ihn erst recht interessant wirken. Und sein Charme und seine Lockerheit sind die Krönung des Ganzen. Aber keine Sorge, er ist auch wirklich sehr kompetent und sicherlich durchsetzungsfähig, er lässt nur nicht so sehr das typisch Autoritäre einer Stellung wie seiner innerhalb des Betriebes heraushängen, was natürlich eine große Hilfe für alle in der Firma ist.

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Trotz des lieben Chefs war ich nach den drei Wochen sehr froh über die Beendigung des Ferienjobs. Ich hätte vielleicht auch früher mit dem Jobben anfangen können, dann hätte ich auch mehr Geld verdienen können. Doch ich hatte auch gewisse Sachen für die Uni erledigen müssen. Ich konnte deshalb auch nur drei Wochen arbeiten, weil ich die paar verbliebenen Tage bis zum Ende September Zeit für den Auszug aus der Würzburger-Altstadt-WG benötigte, in der ich ja nur zur Zwischenmiete gewohnt hatte.
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Samstag, 4. September 2010

23 Haikus: Prolog und I



PROLOG

Gestern, am 3. September 2010, wurde ich 23 Jahre alt. Am späten Abend zuvor war ich etwas nachdenklich gewesen, als ich die kleine Party bei uns in der WG zu meinem Geburtstag geplant hatte. Ich zweifelte daran, dass viele der eingeladenen Leute tagsdrauf auftauchen würden, vielleicht weil sie entweder anderweitig verplant waren oder weil sie dann doch tatsächlich keine Lust hatten, mich am Freitagabend zu besuchen oder zu sehen. Ich wusste von vielen nicht die wahren Hintergründe, jedoch fühlte ich mich bestätigt: es waren tatsächlich nur fünf weitere Leute zu meiner Mini-Feier gekommen, Chrissie als meine Noch-Mitbewohnerin exklusive. Viel zu wenig.
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Auch überlegte ich mir sodann: wie bin ich eigentlich zu der Person geworden, die ich jetzt bin oder darstelle? In insgesamt dreiundzwanzig meist melancholischen Haikus, die ich kurz vor dem Tageswechsel um 00.00 Uhr spontan verfasste, ging ich in mir und durchstöberte mein Erinnerungs- und Gefühlsarchiv.
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Haikus sind dreizeilige Gedichte, die ihren Ursprung in Japan haben, jedoch längst in andere Sprachwelten als die des Japanischen exportiert und im Wesen modifiziert und den Sprachen entsprechend angepasst wurden. Es gibt unzählige Regeln für ein Haikus, aber was alle Haikus gemein haben, ist, dass sie aus insgesamt 17 Silben bestehen, Abweichungen nicht ausgeschlossen. Die erste Zeile kommt in der Regel mit fünf, die zweite mit sieben, die dritte wieder mit fünf Silben aus. Schwierig war es, sie zu verfassen, denn Wörter sind im Deutschen oft mehrsilbig, im Englischen hingegen gibt es weitaus mehr "monosyllables". Die richtigen Worte zu finden war nicht einfach. Durch die strenge Form wird, denke ich, meist ein klassisches Reimschema ersetzt, was aber der Poesie keinen Abbruch leistet...manche Haikus könnten aber auch (zunächst) banal erscheinen...

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I

Unterm Küchenlicht
Versinkt mein Verstand zutiefst
In alte Sphären.

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[ (c) 2010 by SR / Sray ]
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23 Haikus: VI und VII



VI

Danach: gute
Noten, Mobbing seitens 4c,
Halt in meiner Klass'.


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VII

Letzte Reise von
Vieren nach Laos: nett, lang,
Jahr '98.

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[ (c) 2010 by SR / Sray ]
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23 Haikus: II und III



II

Rötliches Frühchen:
Lag im Brutkasten, ähnelnd der

Warmen Grilltheke.

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III

Die allererste
Erinnerung: Winter,
Gelbe Fäustlinge!

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[ (c) 2010 by SR / Sray ]
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23 Haikus: IV und V



IV

Der Kindergarten
Brachte mir Freunde, deutsche
Sprache und "Kunst" bei.

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V

Die ersten Jahre
In der Schule: harmonisch.
Ich: wissbegierig.

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[ (c) 2010 by SR / Sray ]
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23 Haikus: VIII und IX



VIII

Mit elf Jahren dann
Lernte ich sie kennen:
Sexualität.

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IX

Nun fünfte Klasse:
War spitz auf Schulkollegen:
Bleibt ein Geheimnis...

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[ (c) 2010 by SR / Sray ]
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23 Haikus: XII und XIII



XII
Pubertät = Irrsinn
Des Lebens. Optisch, psychisch:
Siege, Verluste.

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XIII

Zweites, drittes Mal
Unglückliches Verliebtsein
Nach 18 nie mehr da.

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[ (c) 2010 by SR / Sray ]
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23 Haikus: X und XI



X

Ein Jahr später:
Einsamkeit, Stimmbruch, Chaos.
Heißt: erste Krise.


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IX

13, erste Liebe
Mitschüler, unerwidert,
Hoffnung bis 16.

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23 Haikus: XIV und XV



XIV

Schlechtere Noten,
Trübsal, Zukunftsangst:
Was ist los mit mir?

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XV

Das Kleinstadtleben
Engt einen immer mehr ein.
Bald nun Freiheitssucht.

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[ (c) 2010 by SR / Sray ]
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23 Haikus: XVI und XVII



XVI

Nach Abi mit zwanzig
Beginnt nun mein Studium:
Vorwärts, neues Leben!

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XVII

Neue, sehr viele
Freunde bedarfen auch Networks:
Lust, Sucht, Frust, Wucht, Spaß.

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[ (c) 2010 by SR / Sray ]
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23 Haikus: XVIII und XIX



XVIII

Ich grüße, spüre,
Begehre, hasse, öffne
Und entwickle mich.

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XIX

Bin ich denn etwa
So beziehungsunfähig?
Liebe -> Musik bloß?

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[ (c) 2010 by SR / Sray ]
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23 Haikus: XX und XXI



XX

Prüfung, Klausuren.
Hausarbeit, Referate.
Jedes Semester.

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XXI

Erwachsen bin ich...
Meinen Ängsten und Träumen
Meiner Kindheit...nicht.

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[ (c) 2010 by SR / Sray ]
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23 Haikus: XXII und XXIII



XXII

Ein turbulentes
Letztes Jahr erlebte ich:
Es war gut und schlecht.

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XXIII

Doch nun weiß ich nicht
Mehr weiter: ich tauche auf.
Zu neuen Sphären...

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[ (c) 2010 by SR / Sray ]
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Freitag, 13. August 2010

Tagversüßer des Tages Vol. 273



Slut mit "Time Is Not A Remedy".

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Wiederentdeckt: die erste grandiose Single "Time Is Not A Remedy" aus Sluts zweitem Album Nothing Will Go Wrong (2002) und das dazugehörige grandiose Musikvideo der deutschen Alternative-Band Slut.
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Das authentisch wirkende und liebevoll umgesetzte Musikvideo wurde von Arnaud & Caleb gedreht, welche auch das Video zur zweiten Slut-Single "Easy To Love" drehten. Auch wenn man kaum Menschengesichter sieht, kommt das "Remedy"-Video doch recht menschlich herüber. Es ist ein herausragendes Beispiel für ein typisches Stop-Motion-Video. Sehr schön, sieht teilweise etwas "vintage" aus, ist aber immer wieder faszinierend.

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Slut - Time Is Not Remedy
Hochgeladen von EMI_Music. - Entdecke weitere Musik Videos.
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Mittwoch, 14. April 2010

Happy Birthday, Croak for me!!! (2)




Der Weblog "Croak for me!" feiert sein 2-Jähriges: Alles Gute zum Geburtstag!!! :)

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Vor genau zwei Jahren habe ich das erste Mal gebloggt (link!). Was als leichtverdauliche Web-Spielerei anfing, wurde zu meinem größten Hobby: Bloggen!
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Ja, ich kann es natürlich / tatsächlich nicht fassen, dass ich mit diesem Blog seit zwei Jahren...äh...herumschlage. Vor allem ging nach dem ersten Geburtstag (link!) alles so schnell, die Tage verstrichen dann wie im Fluge.
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Es ist schon erstaunlich, wie sich mein eigentlich allesfressender Blog (in Sachen Themen) verändert hat, vor allem in Sachen Themenschwerpunkte. Mittlerweile scheine ich am meisten über Musik zu bloggen, nicht mehr so sehr über das Leben als Student, wie einst von mir intendiert (siehe Untertitel "The Wasted Life..."). Ich werde trotzdem in Zukunft möglichst viele Themen abdecken, damit es nicht allzu eintönig wird...

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Und ich bin über jeden Blog-Besucher wahnsinnig froh und stolz. Es freut mich sehr, dass sich jemand für diesen Blog interessiert. Egal, ob du Stamm-Leser bist, Gelegenheits-Blog-Verfolger (weil du mich vielleicht kennst), oder ob du dich wegen eines Google-Suchergebnisses einfach so hier reingeklinkt hast: "I welcome you all!" gilt immer noch für euch. :)
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Jetzt müsste mir nur noch eine Art Special zum besonderen Jubiläum einfallen, ist aber bisher noch nicht eingetreten. Denn eigentlich hatte ich diesen B'day auch fast verschlafen. Ich hatte den Termin nicht mehr im Kopf gehabt. Letztes Jahr gab es als Special viel Biografisches (link!) über mein Leben. Mal schauen, was sich da machen lässt...
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Donnerstag, 1. April 2010

Ade, Wohnheim!



Eine Ära geht zu Ende: Seit heute wohne ich offziell nicht mehr in einem Wohnheim.

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Ich wohnte jedoch nicht seit Studienbeginn dort, sondern erst seit Mitte meines zweiten Semesters. Davor musste ich pendeln, nämlich vom Wohnort meiner Eltern, Kreuzwertheim, nach Würzburg, meinem Studienort. Das Pendeln war lästig und man war IMMER vom Busfahrplan abhängig. Ansonsten war nur noch das Zugfahren zeitaufwändiger, weshalb ich dies nur sehr selten getan habe. Manchmal durfte ich aber auch das Auto meines Vaters fahren.
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Dann habe ich fast zwei Jahre im Wohnheim gewohnt, genauer gesagt, ein Jahr und zehn Monate. Ich wohnte in einer 2er-WG innerhalb dieses Wohnheims. Die WG und den/die Mitbewohner konnte ich mir vorher nicht aussuchen, es wurde mir alles vom Studentenwerk Würzburg zugeteilt. Zuvor mit Sportskanone Achim, anschließend mit dem PC-Zocker Clemens.

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Durch die Tatsache, dass in einem Wohnheim einfach viele StudentInnen zusammen in einem Areal untergebracht sind, lernte man viele Leute kennen. Nicht nur kannte ich alle drei Tutoren, besonders dank meines ersten Mitbewohner wurde ich weiteren Leuten vorgestellt, was die Wohnheims-Integration richtig erleichtert hatte.
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"Herrn Leo" kannte ich jedoch schon vorher ein wenig, aber erst durch meinen Einzug in das Wohnheim, indem er jetzt noch wohnt, wurden wir richtige Buddies. :)
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Anfreunden konnte ich mich jedoch nie mit der Abgelegenheit des Wohnheims. Weder zur Innenstadt noch zur Uni hatte ich einen einfachen und kurzen Weg gehabt. Die Fahrt zur Hubland-Uni dauerte - gemessen in Minuten - ca. 45 Minuten, plus/minus 15 Minuten (wenn man mit dem vielen Umsteigen je nach dem Glück oder Pech hat).
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Aber das Wohnheim war an sich gut zu mir und komfortabel. Gerade wegen der Lage war es - abgesehen von wöchentlich erscheinenden Müllwägen und manche an meinem Erdgeschoss-Fenster vorbeilaufende laute Studis - schön ruhig.

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Am Sonntag und Montag wurden meine Sachen in die neue Wohnung gebracht, sonntags sogar mit Leos und "Bines" Hilfe. Am Dienstag und Mittwoch musste ich putzen, was eine grässliche Arbeit war.
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Und am Mittwoch habe ich dem Hausmeister dann die Schlüssel überlassen. Davor hat er sich nochmal die Wohnung angeschaut. Die Kosten für die Reinigung des Matratzen-Überzugs und der Bad-Fliesen (ich kriegte den Kalk einfach nicht heraus!) muss ich selbst tragen, das wird dann von der rückerstatteten Kaution entnommen. Ansonsten hat er nichts beanstandet, war sogar - entgegen dessen Image - recht nett zu mir.
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Ein Teil von mir wird das Wohnheim vermissen, der andere Teil von mir freut sich jedoch auf ein neues Abenteuer, jenes mit "Chrissie - dem Editors-Fan" und "Anna - dem Ex-Veggie".
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Dienstag, 2. März 2010

Ich werde bald umziehen!



Das ist kein Scherz! :)

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Ich möchte zunächst eine Geschichte erzählen: Gestern lief ich das allererste Mal den ganzen Weg zu Fuß von der "UB" nach Hause. Es war 22:00 Uhr, d.h. Ende der Öffnungszeit werktags. Ich war alleine und wollte nicht auf den letzten Bus warten, der in 15 Minuten erst gekommen wäre und sowieso einen Riesen-Umweg gefahren wäre. Also lief ich. Und damit das nächtliche Heimlaufen noch unheimlicher wurde, habe ich während des Zählens der Straßenlaternen, an denen ich vorbeigelaufen war, das Massive-Attack-Album Heligoland gehört.
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Das wäre an sich nichts Besonderes, wenn mein Zuhause eines der supernahen Studentenwohnheime wäre, welche nur drei oder sechs Fußminuten von der Universität entfernt sind. Tümmi zum Beispiel kann sich, was das angeht, (noch) glücklich schätzen. Ich wohne aber auch nicht in den paar Wohnheimen mit 20 Lauf-Minuten Entfernung. Es hat gestern Abend ganze 55 Minuten bis zu "meinem" Wohnheim gedauert!

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Ja, ich wohne am (verpickelten) Arsch der Welt (namens Würzburg). Noch!!! Ich werde aber am Ende diesen Monats aus dem Wohnheim ziehen, in dem ich fast zwei Jahre lang gewohnt habe. Im ersten Semester musste ich noch mit dem Bus hin- und herpendeln - von Kreuzwertheim, eigentlich von der Bushaltestelle in Wertheim nach Würzburg, meiner Studienstadt.
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Mitte des zweiten Semesters entschied ich mich, "Herrn Leo" in sein Wohnheim wohntechnisch zu folgen, damit das lästige Pendeln dann ein Ende hatte. Ich bekam zwar schnell ein Zimmer, bemerkte aber genauso schnell, wie weit das Wohnheim von der "Philosophischen Fakultät I" (Englisch und Geschichte) und "II" (Gymnasiallehramt, Politik- und Sozialwissenschaft) entfernt ist.
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Zunächst wohnte ich eineinhalb Semester mit Achim (link!) zusammen, danach und bis jetzt mit Clemens (link!). Also habe ich bereits WG-Erfahrungen. Aber natürlich ist das etwas anderes, wenn man innerhalb eines Wohnheims eine Wohngemeinschaft pflegt. Der gravierendste Unterschied zu "normalen" WGs ist, dass man in Wohnheims-WGs keinen Einfluss hat, in welche Wohnung man gelangen wird und mit wem man diese teilen wird. Die Macht hat hier das "Studentenwerk Würzburg" (link!), der Verwaltungsapparat in Würzburg für Wohn-, Essens- und Finanzangelegenheiten.
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Vor fast drei Monaten erhielt ich dann einen Brief, den ich wohl irgendwie nicht gelesen hatte. Daraufhin kam die letzte Warnung bezüglich des Inhaltes des ungelesenen Briefes: Ich sollte dem Studentenwerk Würzburg Bescheid geben, ob ich weiterhin Wohnheimsmensch bleibe oder den Mietvertrag kündigen wolle.
Ich entschied mich spontan für letzteres, da ich wohl gleichzeitig an die manchmal nichts ausmachenden, aber oft nervigen langen zurückzulegenden Strecken zur Stadt und zur Uni gedacht hatte. Und weil es Zeit für eine Veränderung war.

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Zum Glück musste ich nicht lange suchen. "Chrissie", Englisch-Kommilitonin und gute Freundin von mir und "Tümmi", "Herrn Leo", etc., sagte, es würde vielleicht was frei werden in ihrer 3er-WG. Parallel dazu bekam ich zwei ähnliche Vielleicht-Angebote zwecks WG-Zimmer von weiteren Kommilitoninnen. Allerdings wurden bei den letzteren zwei die zwei "Vielleichts" zu einem "Geht leider doch nicht".
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Es schaut so aus: Ich werde spätestens zum letzten Tag der Kündigungsfrist am 31.März aus dem Wohnheim ausziehen müssen. Pünktlich zum Sommersemesteranfang am 1. April werde in die WG von Chrissie und der von mir kürzlich kennengelernten Anna einziehen. Beide haben mir ihr "OK" zum Einziehendürfen gegeben. Auch diejenige, deren Zimmer ich ersetzen werde, Caro nämlich heißt sie, habe ich bereits kennengelernt. Sie sind alle sehr liebe Menschen!
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Caro weiß jedoch noch nicht, ob ich nur für sechs Monate zur Zwischenmiete bleiben darf oder für immer. Das hängt davon ab, ob sie nach dem nächsten Semester weiter in dem Unternehmen bleiben wird, in dem sie ihr Praktikum vorhaben wird zu machen oder nicht. Macht aber nichts, die Hauptsache sind neue Erfahrungen, für kurz oder für länger spielt da eigentlich keine vordergründige Rolle.
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Und natürlich werde ich mit einem lachenden und einem weinenden Aug' "mein" Wohnheim verlassen. Habe neben meinen Mitbewohnern viele studentische Nachbarn kennengelernt und meine Freundschaft zu Leo sehr intensivieren können. Das wird also alles nicht so ganz einfach, es wird aber auf jeden Fall spannend werden.
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