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Dienstag, 6. April 2010

Phänomene der Popmusik Vol.3



Heute: Lena, Lena, Lena! – Frau Meyer-Landrut, die drei TOP-10-Singles und der USFO-Effekt.

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„Einfach total krass.“ (link!) Dies hat „Unser Star für Oslo“, Lena Mayer-Landrut, aus Freude und Verwunderung über ihren Sieg bei der oben genannten Raab-Castingshow verlauten lassen.
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Dieser Satz trifft aber nicht nur auf die demokratische Wahl Lenas zur deutschen Kandidatin bei dem Eurovision Song Contest 2010 in Oslo zu, sondern auch auf ihren Charts-Rekord. Denn diese Leistung hat allein sie hinbekommen:
Die drei von ihr gesungenen und extra für den europäischen Musikwettbewerb produzierten Songs schafften es eine Woche nach der Finalsendung prompt in die TOP5 der deutschen Singlecharts. Darunter sind „Love Me“, „Bee“ und der vom Publikum zum Contest-Song gewählte „Satellite“. Dies hat bisher keine Band und kein/e Solokünstler/in hinbekommen.
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Außerdem: Innerhalb von drei Tagen verkaufte sie mit „Satellite“ wie niemand so dermaßen viele Downloads und erhält nach nur einer Charts-Woche Gold. Und dann stieß Lenas „Satellite“ natürlich Stromaes „Alors On Danse“ von der Pole Position und ist nun bereits die zweite Woche in Folge auf Platz 1!
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Doch wie kommt es, dass sich alle drei Songs für die Charts qualifizieren konnten, obwohl nur das nach einem mäßig produzierten Super-RTL-Kinderlied klingende „Satellite“ als Hauptsingle gedacht war und die – meiner Meinung nach – gelungeneren Tracks „Love Me“ und „Bee“ zu für B-Seiten degradiert wurden?

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Bis zum Jahre 2007 wurden aus der Perspektive der Verkaufszählungs-Firma Media Control lediglich Singles, die als physische Tonträger verkauft wurden, als chartrelevant betrachtet. Aufgrund der seit Jahren sinkenden Verkäufe von CDs und der steigenden Download-Transaktionen legaler wie illegaler Musik schritt man zugunsten der Musiker und Musikindustrievertreter ein. Seit 2007 werden nun auch Downloads von Alben und einzelnen Songs als Singles gezählt, natürlich nur die legalen.
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Der Haken ist jedoch, dass auch gleichzeitig die Art, aus Verkäufen solche Hitlisten zu erstellen, sich geändert hat. Nun entscheidet nicht mehr die Anzahl der CDs und Downloads über den jeweiligen Rang in den Charts, sondern nur noch der Umsatz. Verkaufte Maxi-CDs werden – wegen des Preises von 2,99 bis 5,99 Euro, vielleicht auch wegen des bedrohten Aussterbens derer – höher bewertet als Downloads von Einzel-Songs (pro Stück ab ca. 0,79 Cent).
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Es kann z.B. sein, dass Band X 90,000-mal eine Single verkauft hat, Band Y jedoch 100,000 von ihrer Single. Weil aber Band X 70,000 Maxi-CDs (Singles) und 20,000 Downloads der A-Seite der Single unters Volk bringen konnnte, jedoch Band Y nur 30,000 CDs und 70,000 Downloads, ist chartstechnisch die Band X erfolgreicher. Der-/diejenige Künstler/in/Band, die innerhalb einer Woche am meisten erwirtschaftet hat, geht auf Platz 1.

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Bei Lena Meyer-Landrut war es aber wohl so, dass der andere geschmähte ESC-Songvorschlag „Bee“ für sich genommen so oft von den Menschen da draußen heruntergeladen wurde, dass der „Bee“-Umsatz, wie auch jener von „Love Me“ höher war als der Umsatz von beispielsweise Ke$has „Tik Tok“ (physischer UND digitaler Umsatz zusammen wohlgemerkt). „Bee“ ging in der Kalenderwoche 11 von 0 auf Platz 3, „Love Me“ machte sich auf Platz 4 gemütlich, noch vor anderen Platzhirschen wie Unheilig (Platz 5 in KW 11), Iyaz (Platz 8) und David Guetta featuring Kid CuDi (Platz 9) oder Platzhirschkühen wie Ke$ha (Platz 6) oder Cheryl Cole (Platz 7).
Um es noch mal zu wiederholen: Vor 2007 wären „Love Me“ und „Bee“ bekanntlich gar nicht erst in den Charts aufgetaucht.

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Und dann wäre in den TOP10 in der Kalenderwoche 11 noch Jennifer Braun. Die USFO-Zweitplatzierte stieg in jener Woche mit „I Care For You“ neu auf Platz 10 ein. Die anderen Songvorschläge „Bee“ und „Satellite“ (wie bei Lena) schafften lediglich Platz 21, bzw. Platz 32. Dass auch diese sich in den Charts behaupten konnten, ist trotzdem bemerkenswert. Dass die Gewinnerin Lena Meyer-Landrut nicht nur in der Show, sondern auch in den Charts erfolgreicher war als die ihr unterlegene "Rockröhre", versteht sich aber von selbst.
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Mittlerweile ist aber wieder ein kommerzieller Abwärtstrend seitens Jennifer Brauns Vorschlagssongs festzustellen (von 10 auf 18, von 21 auf 51, von 32 gar auf 73). Und auch Lenas Version von "Bee" und auch "Love Me" fielen ein paar Plätze, ersteres auf Platz 6, letzteres auf Platz 8. Nur "Satellite" blieb standhaft auf Nummer 1.

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Aber nicht nur diese sechs Finalsongs („Satellite“ und „Bee“ jeweils mal zwei, „Love Me“ und „I Care For You) bei der Raab-Castingshow schafften den Charts-Einstieg. Auch die von den KandidatInnen interpretierten Originalsongs konnten sich während der TV-Existenz von „Deutschland sucht den Oslo-Star“ immer wieder mal für die Charts-Zählung qualifizieren: Der tolle Dauerbrenner „Heavy Cross“ von Gossip stieg dank und nach Jennifer Brauns Darbietung wieder viele Plätze auf. Florence + The Machine starteten dank großzügiger Promo durch Plattenfirma und vielleicht wegen der Interpretation der Fünftplatzierten Sharyman Osman durch – Platz 52 gab es bisher als höchste Wertung.
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Adele stieg durch Lenas Nachsingen der Non-Single „My Same“ (in der allerersten Ausscheidungsshow) in die deutschen Charts auf Platz 61 ein, ein Riesen-Erfolg für die Soul-Pop-Chanteuse Adele, die in Deutschland nahezu unbekannt ist, aber für Lena ein Idol darstellt.
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Lena ist auch Fan von Kate Nash, welche auch von Lena profitieren konnte. Nashs Single „Foundations“ (Lena hat’s in der vierten Ausscheidungsshow gesungen) ist nach zweieinhalb Jahren Charts-Abstinenz (Höchstposition 2007: Platz 37) wieder in den Charts, wenn auch nur in den unteren TOP50 vor sich hindümpelnd.
Über dieses Charts-Phänomen ist aber selbst Frau Nash eingeweiht, glaubt man dem SPIEGEL (link!). Kate Nash, mit der Lena so oft verglichen wird, könnte mit ihrem neuen Album und den dazu herausgekoppelten Singles in Deutschland nun wahrscheinlich den verdienten Durchbruch erlangen.
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Lisa Mitchell kam dank Lena hingegen das allererste Mal in die Charts. „Neopolitan Dreams“, auch einst von Lena gesungen, erreichte die TOP40 und bleibt im kollektiven deutschen Gedächtnis nun nicht nur als T-Mobile-Werbesong hängen.
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Außerdem sprang – wieder Lena sei dank – „New Shoes“ von Paolo Nutini in die D-Singlecharts. Und auch Jason Mraz‘ Song „Mr. Curiosity“ ging in der KW 10 von Null auf Platz 78, und in der KW 11 von 78 auf Platz 44. In der Kalenderwoche 12 fiel das Teil aber wieder. Auch dieser Song ist eine Non-Single, war nie eine reguläre Singleauskopplung von Mraz und stammt aus dessen vorletztem Album Mr. A-Z (2006).

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Bei Lena möchte man aufgrund der hohen Bekannt- und Beliebtheit gerne ihren Bindestrich-Nachnamen weglassen und sie als Fräuleinwunder betiteln, was unzählige Artikel mir bestimmt bereits vorweggenommen haben. Nahe liegt auch, sie unrechtmäßig als Fräulein Meyer-Landrut zu bezeichnen und sie mit Authentizitäts-Bewunderungs-Blabla zu spammen.
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Ich werde mich nur an die bloße Vornamen-Nennung halten und nur noch sagen:
Lena Meyer-Landrut ist eine wunderbare und wunderbar bescheidene junge Frau, die - anders als die gescheiterten ESC-Kandidaten der letzten Jahre nach Raabs Ex-Protégé Max Mutzke mit den Genres (Billig-)Pop, Country(-Pop), popeliger Pop-Rock und Swing hantierten - unpeinlich ist, ein angenehm undeutsches Image pflegt und den ungewohnten Charme einer Indie-Sängerin besitzt.
Sollte Lena den turmhohen Erwartungen der Medien in Bezug auf eine hohe Platzierung beim Eurovision Song Contest nicht standhalten, wäre das alles andere als tragisch. Wer die Mainstream-Leute und besonders die Indie-Meute gleichsam begeistern kann und mehrfach erfolgreich ist, der hat wirklich einiges geschafft!
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QUELLEN UND LINKS
MTV.de - Deutsche Single-Charts
mix1.de - Chartsarchiv
Musicline.de - Chartsverfolgung Lena Meyer-Landrut
LML auf Spiegel Online
Lenaismus - Spiegel-Online-Artikel von Tobias Rapp

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VIDEOS

Lena Meyer-Landrut - Satellite (OFFICIAL MUSIC VIDEO) from squirrel on Vimeo.



Lena Meyer-Landrut - Bee from squirrel on Vimeo.



Lena Meyer-Landrut - Love me from squirrel on Vimeo.



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Dienstag, 23. März 2010

Phänomene der Popmusik Vol.2


[Schlechte Zeichnung "Stromae Danse" (c) 2010 by SR / Sray ]

Diesmal: Alors on l'achète! - Also kaufen wir uns das! Stromae und der erste komplett französischsprachige Nummer-1-Hit in den deutschen Singlecharts seit 22 Jahren.

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"Alors on danse" ("Also tanzen wir" oder "Lass uns tanzen") des belgisch-ruandischen Rappers und Produzenten Stromae ist nun die zweite Woche in Folge auf Platz 1 der deutschen Media-Control-Charts bei den Singles-Verkäufen. Davor war das ungleich teutonischere "Geboren um zu leben" von Goth-Rocker Unheilig die meistverkaufte Single in D-Land.
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Französischsprachige Popsongs? Wenn man so Gestalten wie Jacques Brel, Patricia Kaas, Mireille Mathieu, Charles Aznavour oder Édith Piaf ("Non, Je Ne Regrette Rien") ausschließt, die eher Chanson singen/sangen, fällt mir z.B. Carla Brunis "Quelqu'un M'a Dit" oder Noir Désir mit "Le Vent Nous Portera" als Popsongs ein - waren jedoch bekannter als erfolgreich in Deutschland.
Der Rapper MC Solaar war mal mit drei Singles in den untersten Plätzen der deutschen Singlecharts, die tolle quirlige Sängerin Camille hingegen nicht mal mit einer. Ich muss an Serge Gainsbourgs und Jane Birkins "Je t'aime... moi non plus" denken, oder an Alizée mit "Moi... Lolita". Und an Khaled mit "Aïcha", jedoch mit arabischem Vers.

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Keines der erwähnten Songs war jemals in D-Land auf Platz 1. Solch ein großer Erfolg eines Songs, welcher komplett auf Französisch ist, war zuletzt der Sängerin France Gall vergönnt. Für den Eurovision Song Contest (damals hieß er ja noch was mit"Eurovision" und "Grand Prix" im Titel) gewann sie als 18-Jährige im Jahre 1965 für das angetretene Land Luxemburg mit "Poupée de cire, poupée de son" (Übersetzt heißt das "Wachspuppe, Klangpuppe") den ersten Platz. In Deutschland wurde der Song als "Das war eine schöne Party" bekannt.
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Später sang sie mit dem Serge Gainsbourg "Les Sucettes" ("Die Lutscher") und verstand damals noch nicht, dass Gainsbourg eigentlich einen Text schrieb, der über Oralverkehr handelte.
Ein paar Jahre lang sang sie sogar Lieder auf Deutsch, bevor sie nach einer langen Pause 1988 mit "Ella elle l'a" ("Ella, sie hat es") auf Platz 1 der Charts ging und so ihren erfolgreichsten Hit in Deutschland hatte, er war sogar erfolgreicher als in ihrem Heimatland.
Das Lied war eine Hommage an die Grande Dame des Jazz, Ella Fitzgerald. Zwar nicht gerade ein Mainstreamthema, wurde der Song vielleicht wegen der Eingängigkeit durch die Uh-uh-uh-uuuhs so gerne gekauft.

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Genauso unkompliziert geht es musikalisch beim Popsong "Alors On Danse" zu, wird doch gerade im Refrain nichts Anderes als der Titel gebetsmühlenartig widerholt, auch wenn die drei Worte unterschiedlich empathisch aus Stromaes "bouche" ("Mund") eher nölig herauskommen. Gröhlsicher ist das auf Partys aber auf jeden Fall. In diesen paar Minuten des Songs wird musikalisch kein Rad neu erfunden. "Alors On Danse" klingt im Vergleich zu anderen zeitgenössischen R'n'B- und Pop-Produktionen geradezu amateurhaft und günstig gemacht. Mag sein, dass das Bodenständige an der Produktion dieses Tracks so fasziniert...
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Könnten auch andere Faktoren für den vielfachen Kauf der ersten Single dieses Newcomers ausschlaggebend gewesen sein? Für "Alors On Danse" wurde nicht aufwändig auf die Promo-Trommeln gehauen. Es war kein Titelsong eines Films (wie z.B. Keri Hilsons "I Like") und wurde auch nicht für einen Werbespot als musikalische Untermalung benutzt (z.B. "Neopolitan Dreams" von Lisa Mitchell im Telekom-Spot). "Alors On Danse" kam sogar ohne ein Großevent aus ("Auf zur Ruhr" von Grönemeyer oder "Jungle Drum" von Emilíana Torrini profitierten von der Kulturhaupstadt Ruhr 2010, bzw. vom Finale von Heidi Klums deutschen Topmodel-Internat).
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Nein, das Musikvideo zu "Alors On Danse" wurde ganz normal von MTV und VIVA in deren Playlists hinzugefügt und entwickelte sich trotz des No-Name-Status zum allmählichen Hit:
Ein von Stromae verkörperter Büroarbeiter verlässt nach Feierabend erschöpft seinen Arbeitsplatz. Dieser verliert auf dem Weg nach Hause (?) irgendwelchen zu erledigenden Papierkram und auch sein Sakko. Nachdem er von der Mutter seines gemeinsamen Sohnes eine Backpfeife geschenkt kriegt, wird er von einer fröhlichen Saufnase, vielleicht einem Kumpel, vor einer Kneipe abgefangen und reingezerrt. Darin muss der Arme jegliche Torturen aushalten, die mit dem Feiern zu tun haben, während er immer müder wird und die Spelunke immer voller.

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Stromae, der mit bürgerlichem Namen Paul Van Haver heißt und Stromae ein Verlan (eine für die französische Umgangssprache so typische Silbenumdrehung) des Wortes "maestro" darstellt, spielt diesen von der 40-Stunden-Woche geplagten Kerl zwar etwas unauthentisch, kommt damit aber bei den Plattenkäufern anscheinend gut an.
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Denn wenn man sich alle fünf Sekunden die Augen reibt, ein bisschen gähnt und am Ende umfällt, um auf die Todmüdigkeit hinzuweisen, ist das nicht genug. Aber nicht jeder Musiker ist auch gleichzeitig ein Schauspieler. Dennoch passen müde schauspielern und müde sprechsingen gut zusammen, man kann sich wohl gut mit dieser in den Lyrics beschriebenen Alltäglichkeit gut identifizieren.

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Die deutschen Singlecharts, also die hierarchische Liste der bestverkauften Einzelsongs, war schon immer sehr stark anglophon ausgerichtet, seit den 00er-Jahren auch zu einem gewissen Anteil germanophon. Will sagen, außer englisch- und deutschsprachigen Singles bleibt besonders in den oberen Regionen der Erfolgsleiter kaum Platz für Songs in Dritt-, Viert-, Fünft- oder Fremdsprachen.
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Okay, gut, ab und zu wird diese Regel durch nicht-englischsprachige Überraschungserfolge gebrochen. Ich denke da an Shakira feat. Alejandro Sanz mit "La Tortura" (Spanisch), an O-Zone mit "Dragostae Din Tei" (Moldawisch), Tiziano Ferros "Perdono" (Italienisch) oder an "Simarik" von Tarkan (Türkisch). Aber solche Ausnahmen bestätigen dennoch die Regel.
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Ansonsten kommen Hit(s) habende Bands und KünstlerInnen manchmal nicht aus Großbritannien, USA oder aus einem der amtsdeutschsprachigen Länder, sondern aus Belgien (Milow), Norwegen (wie zuletzt Marit Larsen), Schweden (Mando Diao), Finnland (The Rasmus), Dänemark (zuletzt Aura Dione), Russland (t.A.T.u.) oder Frankreich (David Guetta).
Aber all diese in Klammern stehenden Menschen und Bands singen eben auf Englisch, um international leichteres Spiel mit den Plattenverkäufen zu haben.

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Und weil man dies so oft macht, gibt es halt auch immer noch das schlimme, nach Ethno-Zeugs miefende CD-Regal World Music, das eher für Globalisierungskritiker, Neo-Hippies und Spezialisten denn für popbegeisterte Menschen eine Fundgrube darstellt.
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Aber natürlich lässt sich heutzutage dank des Internets auch fremdsprachige Musik finden, die nicht unbedingt schlecht ist. Youtube, Last.FM und WIKIPEDIA bieten bei der langwierigen Recherche oft Abhilfe.
So kann man auch auf Mucke aus Staaten stoßen, die bisher noch kaum als Exportländer für Unterhaltungsmusik galten. Man muss gar nicht mal gedanklich weit reisen. Wenn man an EU-Länder wie Polen, Zypern, Tschechien, Luxemburg oder Bulgarien denkt, fragt man sich, warum sich die Plattenfirmen nie die Mühe gemacht haben, ihre Bands herbeizuschiffen oder sie mal in anderen Ländern quasi probefahren zu lassen.
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Freitag, 12. März 2010

Phänomene der Popmusik Vol.1



Diese neue Rubrik heißt "Phänomene der Popmusik" und soll eine Kolumne sein, die von Charts-Überraschungen, alten oder neuen musikalischen Trends, positiven oder negativen, Entwicklungen, Neuheiten, von Pionieren, Helden und Deppen handeln soll. Alles klar?
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Heute: Muse auf Platz 17 der deutschen Singlecharts!

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Die britische Alternative-Prog-Pop-Rock-Band Muse ist erfolgreich wie nie, neuerdings sogar in Deutschland. In einem Land, in dem gleichgemachte Mainstream-Musik vor allem die oberen Plätze der Single-Charts belagert und Alternatives sich fast ausnahmslos erst ab Platz 55 jener Einzelsong-Charts zu finden ist, ist das immer noch verwunderlich. Mittlerweile kann man aber von den Briten - natürlich nur oberflächlich betrachtet - jedoch auch nicht mehr behaupten, dass sie ein geeignetes Vorbild für guten Musikgeschmack darstellen. Der TOP10 der UK-Singlecharts fehlen mittlerweile gute Stücke oder zumindest Indie-Überraschungshits...oder zumindest Platzierungen guter Sachen.
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Natürlich muss man den Begriff der sogenannten alternativen Musik von "Indie" trennen. "Indie" im ursprünglichen Sinne bedeutet, dass eine Band oder ein/e Künstler/in bei einer Plattenfirma unter Vertrag ist, welche aus Budgetmangel eher in kleinen Stückzahlen Tonträger vertreibt. "Indie" ist nicht nur zu einem beliebten Zusatz für die Musikbegriffe "Rock" und "Pop" geworden, es bezeichnet eine ganze Jugendkultur, die Art sich zu kleiden, usw.
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"Alternative" hingegen meinte einst die Unfähigkeit einer Band oder eines/-r Künstlers/-in, Massen von Leuten zum Kauf seiner/ihrer Musik zu bewegen, weil diese Musik sich nicht an den Massengeschmack richtete. Allerdings ist "Alternative" ein verstaubter Begriff, der seinen Platz in Verbindung mit dem Anhängsel "Rock" in der 90ern hat.

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Der Unterschied zwischen "Indie" und "Alternative" ist auch, dass alternative Musikmacher auch bei Major-Plattenfirmen unter Vertrag sind oder deren Platten zumindest von diesen Majors vertrieben werden. Red Hot Chili Peppers, Rage Against The Machine, oder aktueller, Coldplay, The Strokes, Oasis, Blur / Gorillaz oder Yeah Yeah Yeahs machen alle mehr oder weniger "Alternative", ohne "indie" zu sein.
Die Frage ist nur: Ist man dann noch "alternativ", wenn man so erfolgreich ist wie Depeche Mode, U2 oder die Ex-Indie-Rock-Band R.E.M. ist und in mittlerweile großen ausverkauften Hallen spielt? Ja, da sieht man mal das Widersprüchliche und die unzeitgemäß einschnürende Qualität an den Musikstil-Kategorien - wie ein Korsett - und das Paradoxe an die auf langsamen Wege erfolgreich gewordenen Coldplay und Muse. Sollte man nicht lieber alles nur noch als "Rock" bezeichnen?
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Na, das wäre doch fast schon langweilig und zu oberflächlich!
Die Gemeinsamkeit beider Musikgenre-Hülsen (eher Hülse statt richtiges Genre) ist jedoch, dass über diese Bands mit diesen musikalischen Kennzeichnungen in den deutschen Musikmagazinen, also im Musikexpress, in der Visions, in der Rolling Stone oder in der SPEX berichtet wird und dass diese Hülsen die Gegensätze zum sogenannten Mainstream-Pop darstellen.

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Muse sind seit dem vierten Album Black Holes And Revelations (2006) beim Major-Label Warner Music (link!) unter Vertrag, mit den früheren Alben Showbiz (1999), Origin Of Symmetry (2001) und Absolution (2003) gehörte das Trio zuvor Universal Music (link!) an. Muse sind also alles andere als "indie" und sind das auch nie gewesen.
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Weil ihre Plattenfirmen sie großzügig und kostspielig vermarkten, wurden Matt(hew) Bellamy, Chris Wolstenholme und Dominic Howard auch immer erfolgreicher. Aber nicht nur deswegen. Sicherlich spielen Musikvideos, das Design ihrer Platten, dem offensichtlichen Sex-Appeal Matts (link!) und ihre Musik mit all den crazy Texten, den tausend Klang-Einflüssen und -Experimenten selbst eine gewisse Rolle. Und natürlich haben sie sich - wie man so schön sagt - eine große "Fanbase" aufgebaut. Denn irgendwie haben sie es geschafft, im Laufe ihrer Karriere saumäßig viele begeisterte Hörer für sich gewinnen, z.B. Oli T.!

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Muse stiegen in der Kalenderwoche 9 mit der zweiten Single "Undisclosed Desires" (siehe Video) auf Platz 17 ein. Sie könnten weiterhin noch aufsteigen, aber auch noch fallen. Tendenz: sie werden wohl wieder herunterplumpsen. Dennoch: das ist überraschend. Aber wegen der ersichtlichen R'n'B-Anleihen im Sound dieser Single ist dieser Erfolg doch nicht solch eine Überraschung. R'n'B ist zurzeit ja wieder schrecklich erfolgreich (Rihanna, Ke$ha, Keri Hilson, Jason Derulo, Timbaland + Feature-Gäste, etc.)
Denn so weit nach oben hatten sie es nicht mal mit der vorigen Singleauskopplung "Uprising" (link!) geschafft, welche im Herbst letzten Jahres immerhin Platz 40 erreichte.
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Die Albumcharts sind nochmal anders strukturiert, denn dort haben es alternative und Indie-Künstler dann doch etwas leichter und schaffen je nach Beliebt- und Bekanntheit manchmal TOP-10-Platzierungen. So auch Muse, die mit dem am 11. September 2009 veröffentlichten fünften Album The Resistance das erste Mal auf Platz 1 gingen und dort eine Woche lang verharrten.
Überraschend ist, dass diese Platte kommerziell so abgeht, obwohl The Resistance das erste Mal die Fans und normalen Hörer wirklich spaltet. Leute, die The Resistance geil finden und viele, die sich davon distanzieren, den Prog-Wahn Bellamys beschissen finden. Ich habe von vielen meiner Kommilitonen schon mitbekommen, dass sie mit dem neuen noch progressiveren Sound unglücklich sind. Sie fanden Muse früher ziemlich super, jetzt sind sie vielen zu weit gegangen.
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Um der Frage "Sind Muse also noch Alternative?" endlich eine Antwort zu geben:
Wie wir ja jetzt wissen...klares Jein!

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LINKS

List of Alternative Rock artists
List of Indie Rock artists
Timeline of Alternative Rock
Muse Official Website
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UNDISCLOSED DESIRES





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