Posts mit dem Label kurioses werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label kurioses werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 14. Dezember 2010

Japanische Makaken



Japanische Makaken


Japanische Makaken stehen bis
Zu ihren graubraunen Achselhöhlen
In heißen Dampfbädern, blicken bewusst
Aus ihren schönen himbeerfarbenen
Gesichtern wohlig melancholisch drein.

Sie gleichen trotz Nicht-Zugehörigkeit zu
Hominini wundersamerweise
Hier doch erröteten Menschen, Wesen,
Die sitzend, still in einem Whirlpool nun
Sinnieren, sorgenvoll, über zuvor
Ereiltes unvergessliches Schicksal.

Als bloß unrühmlicher Voyeur dieser
Uniquen Szenerie empfinden wir
Ein außergewöhnliches Mitgefühl.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

[ (c) 2010 by SR / Sray ]
--------------------------------------------------------------------

Inspiriert durch eine ARD-Dokumentation: "Montag, 13.12.2010 | 20.15 Uhr im Ersten: Japan - Inselreich voller Gegensätze. Megastädte wie Tokio auf der einen und abgelegene Bergtäler mit fremd wirkenden Traditionen auf der anderen Seite. Selten sind die Unterschiede innerhalb eines Landes so groß wie in Japan, das sich über 3000 Kilometer von Nord nach Süd erstreckt. Quelle: Das Erste"
--------------------------------------------------------------------

LINKS / QUELLEN
Link zur ARD-Mediathek (ACHTUNG, Video ist nicht für ewig verfügbar!)
Link zu einem SPIEGEL-Artikel mit ähnlichem Thema
Wikipedia-Link zu "Hominini"
Wikipedia-Link zu "Makaken"
--------------------------------------------------------------------

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Die Uhse



"Die Uhse"

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Das Foto erinnert mich im Nachhinein an viele Bilder vom großen unterhaltsamen provokativen Terry Richardson. In der Nähe des Würzburger Hbf gefunden, an der großen Kreuzung zur Kaiserstraße.
--------------------------------------------------------------------

[ (c) 2010 by SR / Sray ]
--------------------------------------------------------------------

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Limerick (+)



Limerick (+)

Fremd werde ich immer hier sein
Gar nicht auszuschließende Pein.
Im Kosmos draußen fühl' ich mich,
Als Plus-Size-Model, schön füllig.
Hier werde ich immer fremd sein.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

[ (c) 2010 by SR / Sray ]
--------------------------------------------------------------------

Dienstag, 23. November 2010

Der Busfahrersitz



Der Busfahrersitz


Erste Reihe, linke Seite,
Sitze hinterm Busfahrer.
Dessen Sitz wippt unaufhörlich
Auf und ab, und ab und auf-
Lustig sieht die Bewegung aus, denn
Wenn der Sitz des Fahrers pendelt,
Höh' betreffend, horizontal,
Dann denke ich an früher.

Ja, ich war auch ganz gern draußen
Auf den Spielplätzen der Gegend
Meines Wohnortes Umgebung:
Rutschen, Wippen, Karussell.
Pferdatrappen gab es dort auch:
Sitz und Gesicht hölzern gebaut,
Unten die Eisenspirale
Elastisch, für vor <-> zurück.

Losgelöst von meiner Kindheit
War ich nie, nein, ich war's nie,
Weil lauter Erinnerungen
Wiederkehren und mich auch
Irritieren in dem Glauben,
Ich, der sei nun erwachsen,
Dreiundzwanzig erst, geworden.
Wer bin ich, wer will ich sein?

Klar ist, dass ich im Bus sitze.
An dem Sitz des Fahrers ist
Integriert ein Mikrofon, wie
Teil eines PC-Headsets.
Sitz und Mikro wippen nun nicht,
Bus hält an einer Kreuzung.
Rote Ampel! Wechselt die nie?
Nach der Werbung geht es weiter...mit meinem Leben...

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

[ (c) 2010 by SR / Sray ]
--------------------------------------------------------------------

Freitag, 19. November 2010

Dinomann, Gröhlmann, Duschradiomann



Dinomann, Gröhlmann, Duschradiomann


Jede kleinere Großstadt -
Der Marken Würzburg, Heilbronn -
Besitzt auch ein paar Weirdos,
In ihnen die reisten Wonn',
Die aus der Masse heraus -
Sie sind eh'r nicht zu meiden -
Stechen, der Rest der Menschen
Verzieht sein Gesicht, leiden.

Straßenfreaks beleben doch
Die Städte, lasst sie so sein!
Es gibt zum Bleistift einen
Mann, der fällt mir spontan ein:
Der ist um die dreißig Jahr
Alt, hält in seinen Händen
Spielzeug-Dinosaurier,
Will nur reden mit Fremden.

Oder ein älterer Herr
Um die Fünfzig gibt es auch,
Der gröhlt in der Innenstadt
Einfach drauf los, ist sein Brauch,
Schlagerlieder jeglicher Art,
Und falls man Blickkontakt hat
Mit ihm, so ganz zufällig,
Will er reden, nimmersatt.

Und ein Mitte-Vierzig-Typ
Sitzt auch in der Straßenbahn,
Immerzu um seinen Hals:
Ein Duschradio, ist an.
Es tönt wie beim Phänomen
Der Handyposer, zumeist
Migrantenkinder. Laute
Musik, ist das nicht dreist?!

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

[ (c) 2010 by SR / Sray ]
--------------------------------------------------------------------

Freitag Morgen in der Universität



Freitag Morgen in der Universität


Wie leer es hier ist, die Caféteria
Der Uni Würzburg, und außer mir
Hier sitzen nur Ü30-Menschen, trinken
Und essen, lesen, Müllwägen drauß' blinken.

Die Frau, vor mir, liest "Main Post", dritte Seite.
Bebrillt, wirkt lieb, die Zeitung in voller Breite.
Sie isst Mehrkornbrötchen und trinkt Traubensaft.
Ich nehme mal an, das Frühstück gibt ihr Kraft.

Der Mann mit Kappe, auch Nordisches Format.
Ihn wach macht sein Kaffee, nicht "vom Automat".
Er schüttelt den Kopf, kämpfend mit Müdigkeit,
Die Nase reibend, zehn vor Acht, die Uhrzeit.

Und angestellte Handwerker sind auch da,
Hängen Bilder auf: in der Caf'teria!

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

[ (c) 2010 by SR / Sray ]
--------------------------------------------------------------------

Donnerstag, 18. November 2010

Lerer(in)!


"Elisa sucht Lerer(in)!"
[ (c) 2010 by SR / Sray ]
--------------------------------------------------------------------

Photo Session: Wäscheleine gegenüber der Würzburger Residenz


"Wäscheleine gegenüber der Würzburger Residenz #01"
--------------------------------------------------------------------


"Wäscheleine gegenüber der Würzburger Residenz #02"

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Heute aus dem Wertheim-Würzburg-Bus während eines Haltes an der Bushaltestelle der Residenz geschossen: das Motiv Mauer - vor dem Restaurant Knossos, gegenüber der Residenz Würzburg - mit Wäscheleine. Warum auch immer die dort neben der gegenüberliegenden Bushaltestelle hing: Protest? unabhängiger Verkauf ohne danebenstehende/r Verkäufer/in?

[ All photos (c) 2010 by SR / Sray ]
--------------------------------------------------------------------

Dienstag, 9. November 2010

porn.volution 2010 - Nachtrag zum Zaubi-Abend (29.10.10)



Die gay.volution im "Zauberberg" (Zaubi), bei der es dieses Mal eine Porno-Show gab. 29. Oktober 2010.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Ich war das erste Mal seit dem Umzug Ende September/Anfang Oktober wieder ausgegangen. Da ich wieder in Kreuzwertheim und nicht in Würzburg wohne, war ich natürlich gezwungen, mit dem Auto meines Vaters hinzufahren. Also war ich nüchtern, ich konnte ja auch bei niemandem pennen, sonst hätte ich schon was getrunken. Ich war davor zwei Monate lang nicht mehr auf der gay.volution. Es waren aber nicht so viele Leute da, zumindest M-Lena und Marvin, sowie Flo-H und dessen Boyfriend Björn, sowie ein paar Englisch-Studenten, die ich kannte und die "Hete"/Geschichts-Kommilitonin Magda, die mich zuvor nur über Dennis/Daisy kannte. Sie war das erste Mal auf der gay.volution...und fand es toll dort!
--------------------------------------------------------------------

Ich fand es eher solala im Zaubi. Was war neu, was hat sich verändert? Der "Zaubergarten", ein Teil des "Zaubis", der an warmen Monaten als Freiluft-Bereich mit Bierzeltbänken und kalten Monaten als Sofa-Landschaft fungiert, verabschiedete sich endgültig von Rauchschwaden der Kippenbesitzer. Ein Nichtraucherbereich wie die anderen Raumabschnitte, der allerdings nicht mehr voll besucht war, sondern nur noch von wenigen. Es sah langweilig darin aus, aber immerhin ist nun mehr Platz auf den Sofas und Lederhockern. Doch dort wollte ich nicht sein.
--------------------------------------------------------------------

Es gab nun zwei Raucher-Separées, die einerseits Frischluft, andererseits auch fast winterliche Nachtkälte bereitsstellten. Der eine war nahe am Zaubergarten gelegen, der andere am Eingangsbereich hinter den Security-Standorten. Mit energieverschwenderischen Heizpilzen.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Ansonsten: anfangs waren zwar viele Lesben da, besonders viele Butches, doch als die Tanzfläche richtig voll wurde, verschob sich das geschlechtliche Verhältnis. Es erschienen plötzlich auch viele junge männliche Typen, die wohl gerade 18 geworden waren und etwas "indie" oder etwas "skaterhaft" aussahen, zumindest maskuline und "normal". Sie unterschieden sich erstaunlich stark von den oberflächlichen Fashion Victims wie von den Hauptschul-Trash-Gays mit den blonden hässlichen Gel-Strähnen und den engen Strassstein-T-Shirts, auf die das Besucher-Auge eigentlich eingestellt war.
--------------------------------------------------------------------

Trotz dieser kleinen positiven Veränderung auf der Tanzfläche fiel mir das Tanzen dennoch nicht leicht. Wenn ich nichts trinke, habe ich zwar das ganze queere Geschehen unverschwommen im Auge, jedoch war die Tanzerei keine leichte Aufgabe, weil mir der Rhythmus fehlt, der mir immer entflieht, sobald ich öffentlich meine Hüften und was auch immer bewegen will. Alkohol kann da manchmal helfen und lockern. So war es teilweise auch dort. Das lag sicher auch an der mäßigen Musikauswahl, die jedoch diesmal besser war als sonst. Schließlich wurden u.a. die noch neueren "She Said" von Plan B und Robyns "Hang With Me" gespielt, ebenso wie der Hip-Hop-Klassiker "Get Ur Freak On" von Missy Elliott. R'n'B, Radio-Poprock und House waren aber weiterhin vertreten.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Ach ja, der Grund, warum der Anfang des Titels des Blogeintrags so heißt: drei Mal traten zwei männliche Porno-Darsteller auf dem Podest auf der Tanzfläche auf. Es waren immer dieselben, diese waren jedoch überraschend heiß. Der eine hatte eine schöne Glatze und einen muskulösen Körper mit schön definierten Brüsten, der andere war etwas schlanker, jedoch nicht weniger muskulös und hatte dafür männlichere Züge. Inklusive eindringlichem Blick. Zwei von drei Male war ich anwesend.
--------------------------------------------------------------------

Und nein, man sah keine Pimmel, zumindest nicht von meiner Perspektive aus. Allerdings wurde Oralsex oft angedeutet. Und das mit der Erfüllung des Sneakers-, Socks- und Fußfetisches durch die zwei fast nackigen Herren war toll...toll für mich! Aber ich war über den Rest des Publikums besorgt, da das sicher nicht wenige eklig fanden, gerade die sowieso durch die regelmäßig stattfindenden Porno-Shows vernachlässigten Lesben. Porno-Frauen gab es bisher nie im Zaubi. Aber wenn's so wäre, würden sich wahrscheinlich auch viel mehr lüsterne Hetero-Männer ins Publikum mischen.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Apropos "Heten": wie so oft gibt es ein paar wenige Hetero-Männer, die sich an gay.volution-Terminen in den Zauberberg verirren. Viele drehen gleich wieder um, andere sind tapfer und sehen sich den für sie neuen Mikrokosmos an. Da gab es zum Beispiel zwei, die eine Mischung aus Toleranz und kühler Abgeklärtheit verkörperten. Einer von ihnen redete mit meinem ehemaligen Friseur, der nun in einem teuren schicken Laden arbeitet. Der Ein-Monats-Bart tragende 1,85m große süße Typ, wohl Student, erstes Semester, sah süß aus. Trug flache karierte Vans und Streetwear.
--------------------------------------------------------------------

Als mein glamouröser (schwuler) Friseur ihn jedoch überzeugen wollte, auch mal ins "Café zum schönen René" zu gehen, dem Tempel pseudo-alternativer Oberflächlichkeit, Marken-Fetischismus und verkrampfter grinsegeiler "Nein, Mann"-Attitüde, musste ich einschreiten. Auch wenn die Hete wie ein zukünftiger René-Gänger aussah, wollte ich dem Unwissenden stattdessen das "Laby" ("Diskothek Labyrinth") vorschlagen, das bodenständiger, ungezwungener und sympathischer ist als "...Réne". Doch irgendwie war meine Argumentationsfähigkeit an dem Abend nicht so gut wie die meines Ex-Friseurs, der das "Laby" für eklig und nicht sehr hip befand. Ich hatte die Schlacht verloren und einen bisher unbefleckten jungen Typen an die oberflächliche Karohemd-Unterwelt verloren...
--------------------------------------------------------------------

Betrunkenheitsskala: 0 von 10...of course.
--------------------------------------------------------------------

Freitag, 29. Oktober 2010

Strange Reunions (Kürzestgeschichte/Kolumne)



Ist ja nicht so, als ob ich mit dem Typen jemals einmal eine Union (siehe Titel, der gleichzeitig ein Songtitel der Band Yeasayer ist) eingegangen wäre, ich kenne ihn ja nicht mal richtig, aber die gestrige Busfahrt mit diesem einen Kommilitonen geriet zu einer eigenartigen Kürzestreise.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Als ich ihn vor zwei Semestern das erste Mal im Gebäude unserer Uni-Fakultät (Philosophische Fakultät I) sah, war ich von seiner Schnuckeligkeit und gleichzeitigen Stylishness geplättet. Schnuckelig machten ihn die eher geringe Körpergröße, schätzungsweise max. 1,73m, die hellen roten Haare und unschuldigen braunen Augen, die hinter einer Brille mit markanten schwarzen Rändern und rechteckigen Gläsern hervorlugten. Stylish waren hingegen seine schlanke, aber nicht dürre Figur, der Fasson-Schnitt seiner indie-mäßigen Frisur, die hellbraune Slim-Hose und die dunkelbraunen Glanzledersneakers.
--------------------------------------------------------------------

Es war der Dienstag der zweiten Woche der Vorlesungszeit im Wintersemester 2009/2010. Als Student der Hauptfächer Englisch und Sozialkunde (Politik- und Sozialwissenschaft) und des Erweiterungsfaches Geschichte hatte ich mir damals noch überlegt, eine Veranstaltung des letztgenannten Faches zu besuchen.
--------------------------------------------------------------------

Kleiner Exkurs:
In Geschichte brauche ich demnach keine verpflichtenden Scheine, Leistungsnachweise durch Klausuren oder Seminararbeiten, zu machen. Einen Grundkurs für Neuere Geschichte (ca. 1500-1800) kann, muss ich aber nicht besuchen, wird mir für einen Studi des „alten Lehramt“ (nicht modularisiert, auf Basis vom „alten“ Magister, nicht vom noch neuen Bachelor) aber auch sowieso nicht angerechnet. Ich war wegen dieser freiwilligen Wahl demnach nur ein einziges Mal in „Neuere Geschichte“. Und wegen der eher ekligen Uhrzeit von 19.15 bis 20.45 Uhr.
Jeeeeedenfalls: dieser Typ war auch darin, wirkte wie ein noch leicht unbeholfener „Ersti“ (Student im ersten Semester) und über sein Dasein hatte ich mich natürlich gefreut.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Sommersemester 2010. Montag der zweiten Woche der Vorlesungszeit dieses Semesters. Einführung in die englische Fachdidaktik. Ich sitze seit fünf Minuten in einem für den 40 Mann/Frau starken Einführungskurs viel zu großen Hörsaal. Es kommen zwei Typen in den Hörsaal herein, der eine braun- und kurzhaarig, blauäugig und mit ränderloser Brille, der andere wohl dessen Kumpel. Oh, er fällt mir sofort, es ist der Rothaarige vom damaligen späten Dienstag! Jawohl, ich werde mehr als nur eine Sitzung mit ihm verbringen, auch wenn er in den Wochen auf der rechten, statt nahe bei mir auf meiner linken Seite, ganz außen sitzen wird. Mit seinem Kumpel.
--------------------------------------------------------------------

Wochen später, an der letzten Sitzung vor der gefürchteten Klausur, die ich später mächtig versemmeln werde, hält er und sein dick und dünn gehender Kumpel ein Referat, deren Thema ich auch längst wieder vergessen habe. Ich weiß nur dunkel, dass einer von ihnen Hendrik und der andere Philipp heißt. Nun, beide Namen ähneln sich, was die Zielgruppe Mittelschichts-Eltern angeht, die ihren Sohnemann vor 20 bis 25 Jahren halt einfach so nannte. Beide könnten also sowohl Philipp als auch Hendrik heißen. Der Name Philipp ist natürlich einen Tick oder fünfundzwanzig Ticks schöner, also wohl passender für den Stylo-Schnuckel. Erst hält sein blauäugiger Kumpel, derselbe wie der vorhin beschriebene. Er hat eine leicht herbe Stimme und ein etwas biederes Aussehen als der Rotschopf. Dann hält, ich nenne ihn jetzt einfach so, Philipp. Wie erwartet hat er eine etwas hohe, aber sympathische und definitiv zum Lehren geeignete Stimme. In Kombination mit der detaillierten vorigen Beschreibung seines Äußeren lässt sie ihn noch mehr zum verpeilt wirkenden Indie-Mode-Nerd wirken. Wahrscheinlich nicht gay, eher bisexuell, aber am wahrscheinlichsten metrosexuell, aber nicht, wie ihr jetzt denkt, auf eine nicht übertriebene Art und Weise. Ach, Philipp!
--------------------------------------------------------------------

Meine Kursgefährtin Kathrin, mit der ich nicht nur das Referat viele Sitzungen vorher hielt, sondern auch so einige Schwätz-Unterhaltungen während des Kurses, wurde von befragt: „Sag mal, der rechte mit den roten Haaren, wie findest du den so?“ Sie: „Der??? Nee, also, hmm, nääh! Gar nicht mein Fall! Wieso stehst du den gerade auf den?“ „Ach, komm, der ist doch echt mal süß mit seiner Brille.“ „Viel zu sehr Nerd, und sein weißes T-Shirt ist so faltig wie der zerknüllte Entschuldigungsbrief meines Ex, der fremdging.“ „Aber...“ „Na, wenn schon, dann sein Referatspartner.“ Oder der bauernhafte Fußballfan mit dem rollenden "r", dessen Schlafzimmerblick sie immer so sexy finde, aber ich eher nicht so.
--------------------------------------------------------------------

Ey, Vorgeschichte mit Überlänge!
Und jetzt ist die eigentliche Story über deine Busfahrt bestimmt noch langweiliger als deine vorige Anschmacht-Geschichte aus der Ferne. Oder?

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Weiß nicht, musst du selbst entscheiden. Gestern Abend, Wintersemester 2010/11, zweiter Mittwoch der Vorlesungszeit, wartete an der zentral gelegenen Uni-Bushaltestelle „Universitätszentrum“ eine Menge Menschen auf den Bus in Richtung Hauptbahnhof. Mit drei Minuten Verspätung (was zu anderen Zeiten ungewöhnlich wäre, aber vielleicht doch nicht ganz zu Rush-Hour-Zeiten) kam er endlich. Ich stieg als einer der letzten ein und wollte einen Doppelsitz-Platz ganz hinten ergattern, an dem ich alleine sitzen würde. Den gab es natürlich nicht.
--------------------------------------------------------------------

Ich hatte aber am angelangten Ende des Busses drei Möglichkeiten. Erstens, ich setze mich auf den letzten freien Platz der Viererreihe ganz ganz hinten, der links und rechts von lauten Vollidioten flankiert war. Zweitens, ich setze mich neben einen Typen, dem ich schon oft in der Uni begegnet war, ähnliche Geschichte wie bei „Philipp“, sehr hübsch, nur weniger modefixiert als „Philipp“, eher auf lässige unprätentiöse Art gut gekleidet, Soziologie-Hauptseminar statt Englisch- oder Geschichtskurs, Asia-Migrationshintergrund wie bei mir, jedoch deutscher Vorname, hatte sogar ein paar wenige Sätze mit ihm in jenem Seminar gewechselt. Wäre mir aber irgendwie leicht unangenehm gewesen, neben einen attraktiven Typen zu sitzen, den man kaum kennt Drittens, ich setze mich neben „Philipp“.
--------------------------------------------------------------------

In dieser Situation entschied ich mich spontan für letztere Option, obwohl auch attraktiver und kaum gekannter Nebensitzer und daraus resultierender Unsicherheit. „Philipp“ trug einen schwarzen langen wolligen Mantel mit Kapuze, eine beige Hose und schwarze flache Stoffsneakers. Hellblaue Umhängetasche. Jedes Teil für sich war stilvoll, aber zusammen sah es etwas komisch aus, die Kleidungsstücke waren zwar farblich nicht ideal aufeinander abgestimmt, machten aber dafür einen sympathisch-verpeilten Eindruck, der wiederum doch zu ihm passt. Frisur und Brille bleiben aber wie vor zwei Semestern dieselben.
--------------------------------------------------------------------

Als ich mich jedoch neben ihn setzen wollte, konnte ich das nicht optimal, weil seine Tasche etwas aus seiner „comfort zone“ herausragte und etwas von meinem Sitzplatz einnahm. Ich saß also parallel zu seiner Messenger Bag (oder war es eine Laptop-/Netbook-Tasche?) etwas angeschrägt in Richtung Buskorridor, also irgendwie leicht draußen. Machte mir aber nicht viel aus, die Mischung aus Freude (über das Sitzen neben „Philipp“) und Verunsicherung (wegen des Sitzens neben dem von mir angeschmachten „Philipp“) überwog, manchmal schaute ich ihn aus meinem linken Augenwinkel an, versuchte es zumindest. Tolles Kinn, bemerkte ich in meinem Kopf. An der Mitte der Busstrecke angelangt, regt sich „Philipp“, der nach seiner Tasche greift. Ich wollte dies schon als Reaktion auf das baldige Aussteigen aus dem Bus deuten, und wollte vom Sitz aufspringen, um ihm dafür Platz zu machen, doch da nehme ich über meine Kopfhörer meines MP3-Players ein „Nee, nee“ aus seinem Mund wahr. Ich dreh mich schnell zu ihm hin und bin für eine Millisekunde leicht verwirrt. Er sagt anschließend leicht verschämt „Sorry“. Ich bin noch verwirrter und frage schnell: „Hm, wieso denn?“ „Ich hab mit meiner Tasche so breitgemacht.“ „Oh, ach, kein Ding!“. Ich grinse ihn an und drehe mich wieder zurück. Ich grinse in mich hinein, weil ich seine Stimme wieder gehört habe.
--------------------------------------------------------------------

Und dann denke ich: „Hey, das wäre doch DIE Chance, ihn mal richtig kennenzulernen!“ Ich überlege in den nächsten drei Minuten, ob und wie ich das Mini-Gespräch gerade fortsetzen sollte. Ideal wäre es, ihn auf die Dozentin unseres damaligen gemeinsamen Englischkurses anzusprechen oder über den Kurs. Es wäre DIE Gelegenheit gewesen! Dann fiel mir aber ein, dass es aber peinlich wäre, dies zu tun, weil ich die Klausur ja damals nicht bestanden hatte und denselben Kurs, diesmal bei jemand anderes, wiederholen muss. Schweigen. Ansonsten gäbe es nur wenige Möglichkeiten fürs Ansprechen, schon eine Bewunderung für seine Tasche käme käsig herüber. Ich frage mich, was er in diesem Moment wohl denkt, was er gerade von mir denkt, ob er in seinem Leben überhaupt einen Gedanken an mich verschwendet hat. Eineinhalb Minuten vor dem Erreichen meiner gewünschten Haltestelle: „Ähm, könntest du mal auf den roten Knopf da drücken?“ Ich verstehe sofort, dass „Philipp“ aussteigen will, auch aussteigen will. Ich: „Klar, ich muss hier auch gleich raus!“ Ich bleibe nüchtern-freundlich, er auch. Dies sollte meine notorische Unsicherheit gegenüber Menschen allgemein und Männer speziell übertünchen.
--------------------------------------------------------------------

Ich traue mich immer noch nicht, ihn richtig anzusprechen. Später steigen wir gemeinsam aus, erst ich, dann er. Wir warten noch an derselben Fußgängerampel auf ihr Grünwerden, überqueren dann die Straße, laufen noch ca. 30 Meter zusammen, ohne ein Wort zu sagen. Wir sind ähnlich schnell im Laufen. Als ich noch in meiner Tasche krame, ahne ich, dass „Philipp“ bald nicht mehr den Fußweg mit mir teilen wird, denn er biegt dann rechts in ein Gässchen ein. Das war es wohl für heute. Ich seufze leise und melancholisch. Ich stelle ich gedanklich mir vor, wie ich eine Strichliste mit der Überschrift „Verpasste Chancen“ um einen weiteren Strich erweitere.
--------------------------------------------------------------------

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Ein Hoch auf meine mittelmäßige Laptop-Webcam!



Es sind nur 0,3 Megapixel. ;(

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Und ich bin mit meinem ehemaligen Kamerahandy von Sony Ericsson (3,2 MP, Handy verloren gegangen) und meiner derzeit zwecks leerem Akku und verlorenem Ladekabel meiner Digital-Kompaktkamera (8,2 MP) wohl im Vornherein viel zu verwöhnt.
--------------------------------------------------------------------

Aber die integrierte Webcam meines Laptop macht keine wirklich befriedigenden Videos und Fotos, sodass man da schon etwas neidisch sein kann auf die Brillianz so mancher, ich gestehe es, Macbook-Cams. Nicht mal bei hellem Tageslicht. Aber naja, immerhin funktioniert sie für Skype-Chats. Aber das mitgelieferte Cam-Programm, mit dem man kurz zuvor geschossene Bilder (bewegte oder nicht bewegte) mit kitschigen oder geschmacklosen Grafiken selten verschönern, meistens aber verunstalten kann (siehe Beweisfoto), ist schon dämlich. :D
--------------------------------------------------------------------

Montag, 25. Oktober 2010

Tagversüßer des Tages Vol. 296



!!! mit "Jamie, My Intentions Are Bass".

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Zu Lieblingsvideos werden schnell solche Musikvideos, die kreativ sind und voller Einfälle, irgendwie schrullig, lustig, aufregend, gut gemacht und charmant. "AM/FM" der Band mit dem in doppelter Hinsicht auffälligen Namen war für es für mich noch nicht, "Must Be The Moon" derselben Band schon sehr. Doch alles ist und beinhaltet vor allem "Jamie, My Intentions Are Bass" der Indie-Dance-Punk-Band !!! (chk chk chk).
--------------------------------------------------------------------

Das Pseudo-One-Shot-Musikvideo (vgl. Beyoncés "Single Ladies (Put A Ring On It)"), indem nicht nur viele Penisandeutungen - z.B. in Form von und Ausrufezeichen vorkommen, sondern auch eine schöne Frau, ein schöner Sänger, viele 70er-Jahre-Outfits der anderen !!!-Bandmitglieder, ein Swimmingpool und eine lustige/coole Idee am Ende wurde vom Regisseur Saman Keshavarz gedreht.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------


!!! - Jamie My Intentions Are Bass from Warp Records on Vimeo.Taken from 'Strange Weather Isn't It?'
http://warp.net/chk-chk-chk

Video directed by Saman Keshavarz
http://warp.net/directors/saman
--------------------------------------------------------------------

Donnerstag, 30. September 2010

Tagversüßer des Tages Vol. 291

Abe Vigoda mit "Throwing Shade".

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Amerikanische Math-Tropical-Rocker. Aus dem zweiten Album Crush (2010).
--------------------------------------------------------------------

Gutes Musikvideo vom Regisseur Vice Cooler.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------



--------------------------------------------------------------------

Samstag, 18. September 2010

Tagversüßer des Tages Vol. 288



Gonzales mit "Never Stop (Rap Mix)".

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Ich nenne es, weil es so auf AMAZON.de (link!) heißt, hingegen "Never Stop (Chilly Gonzales Rap)", aber egal, ist ja eh derselbe Song gemeint: die mit Rap unterlegte Single hat eine der cleversten Rap-Lyrics des bisherigen Jahres inne. Es geht um den Drang, nicht aufzugeben, immer weiter zu arbeiten, auch wenn gewisse Situationen es einem schwierig machen. Genamedroppet werden: Lily Allen, Daft Punk, Beth Ditto (Gossip), Jackson Pollock, Michael Jackson, Alfred Hitchcock.
--------------------------------------------------------------------

Zum Beispiel wird Chilly Gonzales, der musikalisch oft mit Jamie Lidell, Feist, Mocky, usw. zu tun hat, zu Unrecht unterschätzt. Was vielleicht daran liegt, dass er sich wie ein schmuddeliger Penner gibt, obwohl er Tausende von Instrumenten (vor allem das Piano) beherrscht, kulturtechnisch superaufgeklärt ist und einfach genial ist. Jedoch: Don't judge a book by its cover.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Er sieht nicht aus wie ein typischer Popmusiker. Dass er keine klassische Schönheit ist, eher kurios oder kinderverschreckend, nicht immer korrekt frisierte Haare aufweist, nicht in Musikvideos, auf Live-Konzerten und auf Fotos, dazu oft stolz mehr als nur einen Dreitagebart trägt und gerne im Bademantel posiert, verweist auf das Unkonventionelle an Gonzales. Dies ist gegen oberflächliche Konventionen gerichtet, denn was zählt, ist ja wohl die Substanz und nicht das Äußere. Siehe Helge Schneider!
--------------------------------------------------------------------

Die Originalversion von "Never Stop" ist eine Singleauskopplung aus Ivory Tower (2010), ein Soundtrack, zu dem ein kompletter Film von Gonzales (link!) gehört, der aber bald nachgeschoben wird. Darin geht es u.a. ums Schachspielen, der Elektropopper Tiga spielt mit. Jonathan Barré drehte das flotte Musikvideo zu "Never Stop (Rap Mix)", welches jetzt aber eher wenig mit dem Film zu tun hat.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Chilly Gonzales - Never Stop (Rap Mix) from Arts & Crafts on Vimeo.

--------------------------------------------------------------------

Samstag, 28. August 2010

13 Minuten Stress



Ausgangslage: du als Student sitzt gerade in der Universitätsbibliothek und willst an einem Montag Nachmittag von Würzburg aus zu deinen Eltern nach Kreuzwertheim heimfahren, was zwar für einen Montag ungewöhnlich ist (Donnerstage/Freitage/Samstage sind üblicher), aber du wegen deinen Eltern dennoch tust.
--------------------------------------------------------------------

Du hast nur noch sehr wenig Bargeld dabei, das Girokonto ist für einen abhebbaren 5-Euro-Schein zu sehr leergeräumt und musst trotzdem über die Summe von 3,50 Euro (mit Vorzeigen des Studentenausweises, sonst 5 Euro) verfügen, sonst kannst du nicht Bus fahren. Du hast keine günstigere Möglichkeit, nach Wertheim (nur dort ist die Endhaltestelle von Würzburg aus, egal ob Bus oder Bahn) zu kommen. Und du willst weder deine Mitbewohnerin wegen Geld bitten, weil du es bisher zweimal getan hast und immer ein schlechtes Gewissen dabei hattest, noch willst du deine Eltern per Telefon nochmal anbetteln, von ihnen extra für das Busticket nochmal einen Mini-Betrag überwiesen zu bekommen.
--------------------------------------------------------------------

Und du besitzt ein Prepaid-Handy, doch dein Guthaben ist alle. Du musstest ein paar Minuten zuvor deinen Vater via Telefonzelle im Bibliotheksgebäude anrufen, weil du den ersten Bus mit der Abfahrtszeit 14:33 Uhr verpasst hattest und du nun Bescheid sagen solltest, dass du den nachfolgenden Bus um 15:30 Uhr nehmen wirst, der dann exakt eine Stunde später in Wertheim angekommen sein wird. Doch von dem ganzen Geld - deinen Vater hast du aufs Handy angerufen, was nicht günstig ist - bleibt nicht mehr viel übrig, genauer gesagt, 3 Euro. Du kannst dich aber daran erinnern, dass du noch mindestens zwei Pfand-Einwegflaschen daheim hast, die du abgeben könntest, um wieder auf 3,50 Euro (Busticketpreis) zu kommen.
--------------------------------------------------------------------

Und dir bleibt überhaupt nicht mehr viel Zeit, um von der Bibliothek zu dir nach Hause zu kommen, um die Flaschen abzuholen, um diese wiederum in einem Supermarkt abzugeben, das Pfand zu kassieren und schnell zum Busbahnhof Würzburg zu gelangen. Was tun, wenn es jetzt gerade 14:52 Uhr ist?

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Ich habe die Buslinie 14 vor Augen, deren nächste Abfahrtszeit von der nächstgelegenen Haltestelle "Am Hubland" 15:05 Uhr beträgt. Ich mache mich spätestens um Punkt 15 Uhr auf, da man allerhöchstens in drei Minuten zu Fuß dorthin kommt, es aber wegen den bescheuerten Baustellen und Umwegen länger dauert. Ich beeile mich, denn man weiß ja nie. Ich komme pünktlich dort an, eine Minute später kommt der Bus angefahren.
--------------------------------------------------------------------

Ich steige ein und schaue quasi im Minutentakt auf meine Armbanduhr. Dank der Fahrpläne im Internet weiß ich, dass, wenn alles gut geht, ich um 15:17 Uhr an der Haltestelle "Stift Haug" ankomme, von dort aus ich in fast zwei Minuten daheim wäre. Gleichzeitig habe ich "15:30" im Kopf und schwitze aus Nervosität, da der Verkehr im Laufe der Busfahrt nicht ganz durchlässig ist.
--------------------------------------------------------------------

Ich steige tatsächlich um 15:17 Uhr aus und gehe schnell, anstatt zu rennen, in Richtung Wohnung. Ich will ja nicht als gestresster Chaot in der Öffentlichkeit auffallen. Es dauert nicht lange, bis ich da bin. Nachdem ich die Tür aufmache, renne ich mitsamt meinem Gepäck (Umhängetasche und vollgepackter Rucksack) nun doch, indem ich die vielen Treppen hochhaste. Es sind vier Stockwerke!!! Nach nicht mal einer Minute erreiche ich unsere Haustür. Ich schließe auf, laufe schnell in mein Zimmer und nehme die Stofftasche mit den insgesamt vier Pfandflaschen mit. Während ich das tue, sage ich zu meiner anwesenden Mitbewohnerin Chrissie nur: "Ich muss auch gleich wieder weiter!"

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Keine zwei Sekunden später stehe ich jenseits der Wohnung und laufe auch wieder die vielen Treppen herunter, mehr noch, ich überspringe viele Stufen. Ich jumpe sozusagen down. Unten angekommen laufe ich schnell zur gegenüber seienden Kupsch-Filiale. Ich bahne mir meinen Weg durch die paar Kunden in Richtung Pfandautomat. Es geht alles schnell, nach etwas mehr als einer Minute bekomme ich den Pfandbon ausgestellt. Keine Zeit verlieren, schnell zur Kasse!
--------------------------------------------------------------------

Doch, Mist, da stehen an beiden offenen Kassen jeweils mindestens vier Kunden. Typisch! Ich wippe wort- und hilflos mit meinen Füßen hin und her, während ich vor der mittellangen Schlange stehe. Es ist 15:23 Uhr. Oh nein, oh nein! Zeitraffer...es ist 15:27 Uhr, endlich draußen und um einen Euro reicher. Jetzt aber keine Zeit verlieren, ich gehe wieder schnell, diesmal ab zum Busbahnhof. Es ist mit all dem Gepäck und den vielen Passanten nicht einfach, durchzukommen, ohne wie ein von Zeit geraubter Mensch aufzufallen, was ich aber bin.
--------------------------------------------------------------------

Dann Ampel, und kurz vor Wegfahrt erreiche ich den gewünschten Bus nach Wertheim. Es ist genau halb 4. Die 3,50 Euro werden beim Busfahrer sofort verbraten, dann schnell einen Platz ausgesucht, denn sogleich fährt der Bus, der keine Gnade kennt, was Zuspätkommer angeht. Mann, was für ein Glück. Und aus dem gestressten Sray wird ein heftig schwitzender Sray, der glücklich und erleichtert ist.
--------------------------------------------------------------------

Freitag, 27. August 2010

L'Aubergine


"L'Aubergine"
[ (c) 2010 by SR / Sray ]
--------------------------------------------------------------------

Donnerstag, 12. August 2010

Unschöne/uncoole/unlustige Albumtitel Vol.2



Lang ist's her, aber jetzt kommt für die Blog-Rubrik "Schön sein oder nicht schön sein (Bandnamen, Albumtitel, Songtitel)" wieder Nachschub. Und ich setze nun da an, wo ich zuletzt aufgehört habe: mit den negativen Pendants zu den schönen, coolen oder lustigen Albumtitel. Also: Volume 2 der Albumtitel aus der Hölle.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

UNSCHÖN / EKLIG / HÄSSLICH

Ich habe mir mal erlaubt, eine Art Special zu den unschönen, ekligen und hässlichen Albumtiteln zu starten. Denn ein nicht zu unterschätzendes Phänomen sind Wortspiele. Es gibt manchmal gute, aber diese sind rar gesät. Die meisten sind aber "bäh".
Elemente dieser Verunstaltungen: gestalterischer Schnickschack durch Bindestriche (wie in 1) oder 3)) oder durch Hervorhebungen mithilfe von Großbuchstaben (wie bei 3)). Unglückliche Verweise auf den eigenen Bandnamen, die zu extrem unappetitlich klingenden Verschmelzungen führen (wie bei 2) und 3) und 4)). Dazu: Wortneuschöpfungen (siehe 4)) oder umgedeutete Feiertage (wie bei 3)) oder ostasiatische Lehren (siehe 5)).
Was aber all diese fünf Titel gemeinsam haben, ist eine großzügige Schicht Größenwahnsinn!
--------------------------------------------------------------------

1) Muse Sick-N-Hour Mess Age
von Public Enemy
[Erste Bedeutung ins Deutsche: "Musik und unsere Botschaft" (Music and our message)
Zweite Bedeutung: "Muse Krank-Und-Stunde Durcheinander Zeitalter"]
-> Das Album wurde 1994 veröffentlicht: US-Oldschool-HipHop der Gruppe um Flavor Flav und Chuck D, welche auch schon weitaus gelungenere Albumtitel kreiert haben, z.B. It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back (1988). Allerdings auch noch schlimmere, wie ihr weiter unten sehen werdet...
--------------------------------------------------------------------

2) A Salt With a Deadly Pepa
von Salt’N’Pepa
[Erste Bedeutung: "Ein Angriff mit einer tötlichen Pepa / mit einem tötlichen Pfeffer" (Assault with a deadly pepa / pepper, vgl. "assault with a weapon")
Zweite Bedeutung: "Ein Salz mit einer tödlichen Pepa / einem tödlichen Pfeffer"]
-> Nochmal 1988: nochmal US-Oldschool-HipHop, diesmal von drei coolen Ladies, von denen DJ Spinderella namentlich immer übergangen wird. Uncool sind hingegen immer die Albumtitel gewesen.
--------------------------------------------------------------------

3) InDRUpendence Day
von Dru Hill
-> 2010: die R'n'B-Gruppe um Sisqo, welche zu früheren Zeiten drei TOP20-Hits in Deutschland hatte, und zwar "In My Bed", "How Deep Is Your Love (feat. Redman" und als Feature für Will Smiths "Wild Wild West". Jetzt sind sie zurück, und kein Mensch hatte überhaupt noch ein Comeback von ihnen erwartet. Die Musik von 2010 ist schlimm, aber noch mehr tut der Albumtitel weh. InDRUpendence Day: das ist - echt jetzt mal - der schlimmste von allen 15 vorgestellten Albumtitel heute! Und Sisqo sieht immer noch peinlich exzentrisch aus. Und was wollen sie mit dem Titel bezwecken? Schaut, wir sind wieder da und endlich unabhängig? Naja, in den USA sind sie nun bei einem unabhängigen Label, einem Indie-Label halt.
--------------------------------------------------------------------

4) Rap-Murr-Phobia (The Fear Of Real Hip-Hop)
von Keith Murray
["Rapmurrphobie (Die Furcht vor wahrem Hip-Hop"]
-> 2007: US-HipHopper, zurecht unbekannt in Deutschland. Soll Rap-Murr-Phobia etwa eine Anspielung auf das Wort "homophobia" sein???
--------------------------------------------------------------------

5) Phunk Shui
von John Oates
-> 2002: drei Delikte des britischen Soul-Pop-Rockers John Oates, der als Teil des Duos Hall & Oates in den 80ern und dem Hit "Maneater" groß herauskam. 1. sollte man nie das Wort "Feng Shui" in einen Albumtitel einbauen, da das Album zusätzlich eine eklige Lasur Spiritualität und Uncoolness (die Lehre Feng Shui ist was für Pseudo-Asien-Fans und für reiche Langweiler) bekommt. 2. Funk Shui statt Feng Shui. Oh ja, du bist ja soooo funky! 3. Zusätzlich zu dem bösen Wortspiel wird auch noch "Funk" zum ach so umgangssprachlichen "Phunk". Oh ja, du bist ja soooo jung geblieben! Nee. Boah, nein! Das ist aber nun wirklich der Gipfel der Kotze!

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

UNCOOL / PATHETISCH / LANGWEILIG

Noch ein Special: außerordentlich pathetisch geraten immer die Titel der Alben von Goethes Erben. An sich ist der Name der dunklen gothischen Band, die laut Wikipedia (link!) die Musikgenres Neue Deutsche Todeskunst (sic!), Avantgarde, Rock und Elektropop bediene, ja bereits peinlich. Aber die Albumtitel sind es noch mehr. Vorhang auf für...
--------------------------------------------------------------------

1) Das Sterben ist ästhetisch bunt
-> 1992
--------------------------------------------------------------------

2) Tote Augen sehen Leben
-> 1994 veröffentlicht
--------------------------------------------------------------------

3) Schach ist nicht das Leben
-> 1997
--------------------------------------------------------------------

4) Kondition: Macht! – Das Musikwerk
-> 1999
--------------------------------------------------------------------

5) Nichts bleibt, wie es war
-> 2001

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

UNLUSTIG / DÄMLICH / UNSINNIG

1) Scratch Came, Scratch Saw, Scratch Conquered
von Lee 'Scratch' Perry
["Schramme kam, Schramme sah, Schramme siegte / eroberte"]
-> 2008: eine Dub/Roots-Reggae-Größe. Bezieht sich auf Gaius Julius Caesar berühmten Satz "Er kam, sah und siegte", also auf "Veni, vidi, vici".
--------------------------------------------------------------------

2) Nuttin' But Funk
von Detroit Grand Pubahs
["Nix außer Funk"]
-> 2008: funky Techno. Schon wieder regiert der Funk. Aber...iiih, was wäre das für eine Welt, wenn es nur Funk gäbe?!
--------------------------------------------------------------------

3) Love, Peace And Vollgas
["Liebe, Frieden und Full Throttle"]
-> 2001: österreichischer Schlager. Muss man noch irgendwelche Worte über den selbsternannten "Anton aus Tirol" verlieren? Ich denke...nicht.
--------------------------------------------------------------------

4) All The Best Cowboys Have Chinese Eyes
von Pete Townshend
[Wörtlich: "All die besten Kuhjungen haben chinesische Augen"]
-> 1982: Rock + New Wave + Spoken Words. Laut Wikipedia (link!) verwies der Brite, Gitarrist und Chef der (Hard-/Art-)Rockband The Who mit dem gut gemeinten, aber echt bescheuert klingenden Albumtitel auf "chinesische Augen", die Menschen haben könnten, wenn sie einsam sind, sodass aus ihren Augen "Schlitzaugen" werden würden. So etwas wie "Boys DO cry". Oder, um freier zu sein, aber am Titel zu bleiben: "Selbst die stärksten Männer, selbst Cowboys, können sich einsam fühlen".
Auch steht dort, dass Townshend nachträglich gesagt haben soll, dass er sich selbst für diesen Albumtitel die Auszeichnung "Stupid Title of the Year" gegeben hätte, hätte es so einen Preis tatsächlich gegeben. Erfrischend selbstironisch, dieser Mann!
--------------------------------------------------------------------

5) How You Sell Soul to a Soulless People Who Sold Their Soul?
von Public Enemy
["Wie verkaufst du eine Seele an ein seelenloses Volk, das seinerseits dessen Seele verkauft hat?"]
-> 2007: wir hören mit einer der einflussreichsten US-HipHop-Bands auf, mit der ich auch diesen Post angefangen habe. Wir haben ja bereits erfahren, dass Public Enemy nicht nur auf politische Vermittlung über Musik stehen, sondern auch auf abgefahrene Wortspiele in Albumtiteln.
Dieser Titel soll vermutlich eine Metapher für das amerikanische Volk darstellen, das ihre Werte verraten hat und nun vor sich hindarbt. "You" steht vielleicht für Public Enemy selbst oder für idealistische Politiker (wir befinden uns zeitlich noch im von Bush Jr. regierten Amerika), die vor einer großen Herausforderung stehen, was das Senden von Botschaften angeht. Aber auch der Titel ist eine komplette Herausforderung, diese zahlreichen Gleichklange durch "soul" und sold" sind echt nervig und bemüht polemisch.
--------------------------------------------------------------------

Dienstag, 10. August 2010

Meine Schwarze Liste der Bands und Künstler/innen



Kommt mir nicht in die Tüte: Bands und Künstler/innen, die ich musikalisch so gar nicht mag.
Bands oder Solo-Künstler/innen, deren Songs ausnahmslos nicht gut gefunden werden. Hat auch meist nur mit der Musik zu tun, nicht mit dem / den Künstler/innen / Bands. Außer beim fürchterlichen NS-Metal.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Diese (nicht unbedingt vollständige) Liste hat übrigens keine Reihenfolge. Und es gibt keine Erläuterungen oder Kommentare zu jedem einzelnen. Und versucht ja nicht, mich bei eine dieser Bands und Künstler/innen umzustimmen. Gelingt nämlich nicht, denn ich bin, was Musik und Musiker angeht, wahnsinnig stur! :D
--------------------------------------------------------------------

UPDATE 13/08/10
Danke für deinen Kommentar, Herr/Frau Anonym! Habe meine Liste gleich ausgebessert und mit Mark 'Oh und Von Spar bereichert...
--------------------------------------------------------------------

01) The Strokes

02) Morrissey / The Smiths

03) Marquess

04) Johnny Cash

05) Tocotronic

06) Mercury Rev

07) Lostprophets

08) Billy Talent

09) Black Rebel Motorcycle Club

10) Bob Dylan

11) Autechre

12) Happy Mondays

13) The Stone Roses / Ian Brown

14) Justin Bieber

15) Scooter

16) Basshunter

17) Burzum

18) Death In June

19) Current 93

20) Manowar

21) AC/DC

22) Guns N' Roses

23) Rage Against the Machine

24) The Polyphonic Spree

25) Tool

26) Art Brut

27) Aloha From Hell

28) Bullet For My Valentine

29) Clinic

30) Liars

31) Katie Melua

32) Ke$ha

33) Cobra Starship

34) The Disco Boys

35) Nickelback

36) Hadouken!

37) Daughtry

38) Mark 'Oh

39) Die Goldenen Zitronen

40) Blumfeld / Jochen Distelmeyer

41) Fleet Foxes

42) Massiv

43) Cherona

44) Flogging Molly

45) Seether

46) Luxuslärm

47) Giant Sand / Howe Gelb

48) Scorpions

49) Mumford & Sons

50) Fever Ray

51) Jimmy Eat World

52) Polarkreis 18

53) Nightwish

54) 30 Seconds To Mars

55) Silbermond

56) Joanna Newsom

57) Bonnie 'Prince' Billy

58) Jack Johnson

59) Coheed & Cambria

60) Bat for Lashes

61) Kate Bush

62) Willie Nelson

63) Archive

64) Apocalyptica

65) Apotygma Berzerk

66) Unheilig

67) Volcano Choir

68) Within Temptation

69) Lützenkirchen

70) Angerfist

71) Enya

72) Claudia Koreck

73) Mark Medlock

74) Daniel Schuhmacher

75) Tokio Hotel

76) Von Spar

77) Status Quo

78) Adoro

79) Wilco

80) Carpark North

81) Klez.E

82) Garish

83) Fady Maalouf

84) Amy Macdonald

85) Chris Liebing

86) KISS

87) Helene Fischer

88) DJ Ötzi

89) The Baseballs

90) The Boss Hoss

91) Hank Williams

92) Celtic Frost

93) The Datsuns

94) Mayhem

95) Soulja Boy

96) Fabian Buch

97) Iyaz

98) Okkervil River

99) Frittenbude

100) HGich.T (link!)
--------------------------------------------------------------------

Freitag, 6. August 2010

Soziologische Abhandlung über HGich.T-Hörer



HGich.T ...wer?
Das ist eine Band, die wie keine andere dieses Jahr polarisieren wird.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

HGicht.T - steht das eigentlich für "hageldicht"? - ist ein Kollektiv mit einer unbestimmten Anzahl von Mitgliedern. Die Band macht...äh, ja, was macht sie denn genau für Musik? Ich würde sagen...Euro-Trance-Elektro-Trash-Punk. Oder: Dada-Musik des 21. Jahrhunderts. Da die einen die Musik der Band lieben, die anderen aber, klar, hassen, wollte ich gerne wissen, welche Leute zu der ersteren Kategorie gehören.
--------------------------------------------------------------------

Doch zunächst: wie bin ich eigentlich auf diese Band gestoßen? Alles fing mit einem Artikel "Spektakel aus Geschrei" (link!) der Pop-Intellektuellen-Zeitschrift Spex, der in der September-/Oktober-Ausgabe (Jochen Distelmeyer auf dem Titel, link!) erschien. Das erste, was sofort auffällt, ist das wohl beabsichtigt eklige Foto zu dem Text mit der orangenen Müllmensch-Weste und dem Teelöffel, das er gerade zum Munde führt. Darauf, das soll wohl die Blechschatulle in der anderen Hand und der Kater / die Katze daneben andeuten: Katzenfutter. Und zur Vollendung der Geschmackslosigkeit trägt diese Person auch eine Nicht-Frisur, an den Seiten kahlrasiert, schwarz gefärbt hochgegelt. Abgebildet war "Tutenchamun", der "Sänger" von HGich.T. Im Artikel steht etwas über ein sogenanntes Youtube-Phänomen und über krasse Live-Performances und über die Kunst-Studiums-Vergangenheit mancher HGich.T-Mitglieder.
--------------------------------------------------------------------

Irgendwann, ein paar Monate später läuft während Tracks, einem SPEX in der Thematik oft ähnelnden Pop- und Untergrundkultur-TV-Magazin auf Arte, ein völlig deppert aussehendes Musikvideo zu "Tutenchamun" (heißt so wie der Frontmann). Quälende zwei Minuten lang geht der Ausschnitt aus dem insgesamt siebenminütigen Anti-Musikvideo. Videoclip: schrecklich. Musik: noch schrecklicher! Als ob man den in den 90ern überall grassierenden Eurodance-Fieber - in tausendmal schlechter - kopieren wollte.
Am schlechtesten jedoch: der Text zum Lied:

wenn die polizei vorbei fährt, ja! ja
dann halt ich erst mal an, ja! ja
nehm ne ziese aus der schachtel, ja! ja
und spiel auf harmlos nach schema f, ja! ja
[...]
meine name ist garfield, ja! ja
ich war schon immer da, ja! ja
und jetzt bin ich auch da, ja! ja
und du bist auch da, ja! ja
wir sind beide da, ja! ja
zusammen in the universe ja! ja
zusammen mit der polizei, ja! ja
[...]

Schwer zu ertragen, weil das alles nicht mal lustig ist. Alexander Marcus' "Papaya" hingegen ist Frasier (link!)-Niveau!
--------------------------------------------------------------------

Viele Monate später sehe ich auf LAUT.de ein neues rezensiertes Album mit einem sehr denkwürdigen Titel: Mein Hobby: Arschloch (link!). Daneben der Bandname: HGich.T - natürlich. Nochmal daneben die Bewertung: 1 von 5 Punkten! Wow, cool! Endlich mal jemand meiner Meinung! Sofort lese ich die Plattenkritik. Am Anfang formuliert es der Rezensent Hannes Wesselkämper so: "Sich von musikalischer Seite aus an Hgich.T anzunähern, ist eine mehr als zweifelhafte Angelegenheit. Ich lasse lieber gleich die Katze aus dem Sack: Dieses Album enthält die schlechteste Musik, die ich je gehört habe!"
--------------------------------------------------------------------

Später erwächst daraus der Plattenkritik im zugehörigen LAUT.de-Forum eine hitzige Debatte um die Relevanz oder Nutzlosigkeit von HGich.T allgemein und von den Tracks aus dem Debütalbum Mein Hobby: Arschloch (2010) im Speziellen. Zwar kokettieren HGich.T mit Verhaltensweisen so mancher Klischee-Prekariats-Angehöriger, vielleicht ist die Überzeichnung zu genial, um nicht wahr zu sein, jedoch ist das schon sehr anstregend. Musikalisch sowieso. Und die jenige Forum-Schreiberlinge, die pro HGich.T sind, argumentieren u.a. damit, dass man die Musik nur im ultrabesoffenen Zustand ertragen könne, man aber dafür dann super unterhalten werden würde. Wirklich?

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

So weit, so Ausgangslage. Jetzt wollte ich wirklich wissen, was für Menschen HGich.T gerne hören. Weil ich dieses Phänomen einfach nicht verstehe. Dazu habe ich mir auf LAST.FM (link!) die Liste der "aktuellen Top-Hörer" von HGich.T - Stand: 28. Juli 2010, ca. 15:00 Uhr - angeschaut. Und die jeweils acht meistgehörten Bands und KünstlerInnen dieser Top-Hörer herausgezogen.
--------------------------------------------------------------------

Ich werde mir sicherlich kein Urteil über den Musikgeschmack der einzelnen Leute erlauben. Es war jedoch schon erstaunlich, allen Erwartungen zum Trotz nicht nur Elektro-Punk-Bands wie Egotronic, Mediengruppe Telekommander oder Schwefelgelb aufzufinden. Oder Komiker und Trash-Gestalten wie Helge Schneider und der zuvor erwähnte Alexander Marcus. Oder typische Rave-Studenten-Bands wie Deichkind oder Frittenbude.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Was kann man bei HGich.T zunächst feststellen? Natürlich sind die allermeisten Top-Hörer aus Deutschland. Außerdem hält sich die Geschlechter-Verteilung in etwa die Waage: so sechzig (männlich) / vierzig (weiblich). Dann, die erste kleine Überraschung: die meisten Top-Hörer sind erstaunlich jung, viele davon unter 20, der jüngste User ist gar 15 Jahre alt! Kann man vielleicht sagen, dass HGich.T die neue Rebellions-Musik ist, um die Eltern so richtig zu schocken? Dient die Musik und deren Attitüde als eine Art Ventil aus den Problemen während der quälenden Pubertät?
--------------------------------------------------------------------

Dann haben viele HGich.T-Top-Hörer merklich absurde User-Namen:
"AsbestTwin", "teeeeee", "Legosaurus", "DonutPanic", "Gedankenhaufen" oder, äh, ja, "Inkontinenzius". *schenkelklopf* Typisch und schön punkig. Dann gibt es aber auch andere Namen, die auf einen von Dark Wave, Hardcore, Metal und deren jeweils teilweise härtesten Spielarten sozialisierten Musikgeschmack verweisen: düstere, brutale, blutige Assoziationen rufen die User-Nicknames hervor.

--------------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------

Kommen wir zu den in der Recherche aufgefundenen Bands. Alles ohne (Zahlx) steht für eine einfache "Nennung". Diese Bands lassen sich in die unterschiedlichsten Genre-Kategorien einteilen. Ich fange an mit...
--------------------------------------------------------------------

1) Mainstreamisierter Indie / Rock
Hier sind entweder Bands vertreten, die zwar bei Indie-Labels unter Vertrag sind, aber saumäßig beliebt und bekannt sind. Zum Beispiel The White Stripes (2x in meiner Recherche aufgetaucht), The Whitest Boy Alive (2x), Die Goldenen Zitronen.
Oder Major-Bands und -Künstler/innen, bevorzugt deutschsprachige, die für "indie" gehalten werden, was sie aber kaum sind: Tocotronic (4x), Yann Tiersen (2x!), Gorillaz (2x), Element Of Crime (2x), The Notwist (2x), Phoenix (2x), Beatsteaks (2x), die nicht mehr existierenden Muff Potter (2x), CocoRosie, Kasabian, Feist, Mando Diao, uvm.
Oder Klassiker, also Rockbands und -künstler/innen, die in den 60er bis 80ern Meilensteine herausgebracht haben: The Beatles (3x), Johnny Cash (2x), Ramones (2x), Pink Floyd (2x), The Doors (2x), Joy Division, Jimi Hendrix, etc..
Oder 90er-Alternative-Rock-Helden wie Die Ärzte (4x), die mittlerweile "indie" seiende Band Radiohead (3x), Placebo (3x), Red Hot Chili Peppers (3x), Nirvana (2x), Queens Of The Stone Age (2x), Portishead, Pearl Jam.
--------------------------------------------------------------------

2) Sensibelchen-Indie- und Post-Rock
Hier geht es um den "wahren" Indie, falls man das überhaupt sagen. Pitchfork-Bands, eher mittel- bis kaum bekannte Bands, die Indie Pop oder Rock, Lo-Fi/Noise, Singer/Songwriter-Mucke, Folk(pop/rock), Postrock, oder sonst etwas spielen. Zum Teil auch eher still. Neutral Milk Hotel (2x), Iron & Wine (2x), Voltaire, Sigúr Ros, Beirut, Au Revoir Simone, Bonnie "Prince" Billy, Laura Veirs, Sufjan Stevens, Fleet Foxes, Drive-By Truckers, usw..
--------------------------------------------------------------------

3) "Intelligent" Electro
Electronica, vielleicht experimentell, vielleicht poppig, Minimales, Dubstep und Intelligent Techno: Aphex Twin (2x), The Knife (2x), Paul Kalkbrenner, Oliver Koletzki, Zeebox, Pantha Du Prince, Mount Kimbie.
--------------------------------------------------------------------

4) Nicht elitärer Electro
Techno, Goa, House, Großraumdissen-Dance: Scooter (2x), David Guetta, Jeff Mills.
Electro-Punk / Electro-Trash: Deichkind (nur einmal vorgekommen!),
--------------------------------------------------------------------

5) HipHop
Erstaunlich, aber wahr: K.I.Z. wurden von allen HipHop-Acts am meisten genannt, nämlich jedoch ist ihr Humor anderer Natur, teilweise eher subtiler Art. Sonst: Prinz Pi (2x), Dendemann, Eminem,
Badboy-Rap wie Massiv, Alpa Gun, Kollegah, uvm.
--------------------------------------------------------------------

6) Mainstreamiger Punk
Also (Pop-)"Punk" auf Majorlabels, Nu Metal, Emo-Pop. Bad Religion (2x), The Offspring, Billy Talent
Nu-Metal-Bands wie System Of A Down (6x!!!), Korn (2x), Linkin Park (2x), Bullet For My Valentine, Hollywood Undead, die natürlich alles andere als "metallisch" sind, werden oft gehört.
Pseudo-Emo wie Fall Out Boy, 30 Seconds To Mars.
--------------------------------------------------------------------

7) Mainstreamiger Metal
Längst etablierte, über den Underground hinaus bekannte metallene Bands wie Metallica (5x), In Flames (2x), Iron Maiden (2x). Judas Priest, und so.
--------------------------------------------------------------------

8) Richtig hartes Zeug
Black Metal, Death Metal, Grindcore, und vieles mehr, was bis an die Schmerzgrenze geht. Sachen, die der Mainstream in Sachen Metal-Musik so nicht kennt: Immortal (2x), Kreator (2x), Amon Amarth, Dying Fetus, Finntroll, Behemoth, Belphegor, Six Feet Under, uvm.
--------------------------------------------------------------------

9) Apokalyptische Musik
Goth, Industrial, Dark Folk / Neue Folklore, Operetten-Metal. Und hierbei führt der Neue-Deutsche-Härte-Export schlechthin Rammstein haushoch mit acht Nennungen! Sowieso die am meisten gehörte Band der HGich.T-Hörer in meiner Recherche. Dahinter: Samsas Traum (3x), Die Apokalyptischen Reiter (2x), Eisregen (2x), Marilyn Manson (2x), In Extremo (2x), Mindless Self Indulgence (2x), Goethes Erben, KMFDM, Deine Lakaien, Welle:Erdball. Auch der apokalyptische Folker Current 93, der oft der Anbiederung an "rechtem" Scheiß bezichtigt wird, wird auch gehört (2x).
Und so Sachen wie Within Temptation, Nightwish, Evanescence, HIM und so.
--------------------------------------------------------------------

10) Kerniges
Hardcore, Underground-Punk, (Scr)E(a)mo: Converge (2x), GG Allin, Underoath, uvm..
--------------------------------------------------------------------

11) Experimentelles / Avantgarde / Jazz / Klassik
Tom Waits, Philip Glass, Bruno Nicolai, usw.
--------------------------------------------------------------------

12) Dub / Reggae / Ska
Bob Marley, EZ3kiel, Ska-P, uvm.
--------------------------------------------------------------------

13) Pop und kontemporärer R'n'B
Lady GaGa, Ke$ha, Britney Spears, Beyoncé, Robbie Williams, Rihanna, Madonna, Owl City. Jeweils einmal genannt, ich scherze nicht!!!
--------------------------------------------------------------------

14) HAHA
Lustiges, Comedy, Kurioses: We Butter The Bread With Butter (2x), Knorkator, Helge Schneider, Frank Zander.
--------------------------------------------------------------------